Stand: 04.05.2012
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Vorweg muss ich erst mal sagen, dass wir mit Einsendungen überhäuft worden sind, die zum Teil sogar aus den unglaublichsten Ecken wie Shanghai und Island kamen! Mit der Menge hatten wir nicht gerechnet. Es hat eine Weile gedauert, alles zu sichten, aber wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, das selber zu machen.
Es gab die unterschiedlichsten Bewerbungen, Filme, Briefe, Fotoalben und wirklich viele wahnsinnig kreative, lustige und abstruse Ideen. Das macht schon sehr viel Spaß und ist überwältigend zu sehen, wie viel Mühe ihr euch gegeben habt, auch wenn uns die Auswahl dadurch natürlich unheimlich schwer fällt. Bis heute ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen, aber wir kreisen das Ganze nun langsam ein: Wer ist das, wie sind die Leute drauf? Was ist das für eine Location, ist das vielversprechend und wo ist das? Wir können ja schlecht 10 mal in ein und derselben Stadt spielen. Meine Vorfreude ist jedenfalls riesig, das verspricht eine sehr aufregende Jubiläumstour zu werden. Ein bisschen müsst ihr euch allerdings noch gedulden.
Wir kommen jetzt nicht unangekündigt vorbei, sondern werden uns schon vorher melden und den Gewinnern Bescheid geben, dass wir auf dem Weg sind, keine Angst. (lacht)
Natürlich werden die Orte und Termine erst später und nicht im Vorfeld bekannt gegeben, schließlich spielen wir im kleinen, privaten Rahmen für den Gewinner und möchten nicht Gefahr laufen, dass die Party auf einmal von anderen Leuten gesprengt wird und der Hausherr am Ende doof aus der Wäsche guckt.
Die Ramones zu treffen, war für uns wirklich eine Ehre, auch dass Joey Ramone sich an den Aufnahmen unserer „Learning English“-Platte beteiligt und bei „Blitzkrieg Bop“ mitgesungen hat, war natürlich etwas ganz Besonderes! Genauso unvergesslich bleibt für mich auch immer die Einladung der Ramones zu ihrem Abschiedskonzert nach Buenos Aires, wo wir neben Iggy Pop, Attaque 77, 2 Minutos und Superuva im River-Plate-Stadion aufgetreten sind: 50.000 schwarz gekleidete Punkrocker singen aus voller Kehle Ramones-Songs - das sind Augenblicke, die vergisst Du nicht, da laufen einem schon Schauer den Rücken runter! Ich kenne auch kein anderes Land der Welt, in dem das in der Form möglich wäre.
Natürlich haben die Ramones unvergessene Hits hinterlassen. Eine „Top 5“ zu nennen, ist allerdings sehr schwer und wechselt immer mal wieder, dafür haben sie einfach zu viele gute Lieder gemacht. Aber wenn ich jetzt fünf nennen muss, sind das „Blitzkrieg Bop“, „I Wanna Be Sedated“, „Rockaway Beach“, „Pet Cemetary“ und „The KKK Took My Baby Away“.
Tatsächlich habe ich viele der Sachen immer noch bei mir in Kisten liegen und ein paar ausgewählte Stücke hängen auch noch in meinem Schrank, die kamen dann auf unserer SO36-Show in Berlin 2009 wieder zum Einsatz. Auf dem Konzert, das als DVD in der „Machmalauter: Die Toten Hosen - die volle Dröhnung“-Edition veröffentlicht wurde, haben wir nur unsere frühen Nummern gespielt und sind konsequenterweise auch in den alten Klamotten auf die Bühne gegangen. Zu meinem Erstaunen haben sie sogar noch gepasst – naja, fast alle!
So ist damals außer uns einfach niemand rumgelaufen und das war genau der Punkt. Wenn wir irgendwo aufgetaucht sind, sah jeder sofort, da kommt eine „Gang“ um die Ecke. Außerdem waren die Sachen extrem billig. Das Zeug war second hand und kam meistens aus Läden, in denen du zum Kilopreis einkaufen konntest. In Gelsenkirchen gab es zum Beispiel so ein Geschäft. Als Austauschschüler habe ich auch eine Menge aus Amerika mitgebracht, da gab es unzählige Second-Hand-Läden mit echten Trashsachen und je abgedrehter, desto besser war es.
Der Besitzer vom „Pick Up“ heißt Heiner, ein ganz lieber Mensch, den wir sehr mögen. Wir kennen uns schon seit Urzeiten und er war eigentlich der Erste, bei dem man früher die ganzen Sachen aus England bekommen konnte. Er ist immer rüber gefahren und hat uns die neuesten Sachen besorgt, ob das nun Bondagehosen, Creepers oder Clash-Shirts waren, bei Heiner gab’s die. Sein Laden war damals noch auf der Ratinger Straße und ist inzwischen auf der Kapuzinergasse in der Altstadt und ich schaue da öfter mal vorbei.
Das ist wie mit so vielen Dingen in der Band: Wir entscheiden alles zusammen. Wenn ein Motiv nicht gefällt, dann wird das auch nicht gemacht und wenn einer eine neue Idee hat, wird die gemeinsam besprochen und am Ende des Tages zu fünft entschieden, ob und wie das umgesetzt wird!
Beim Merchandising bringe ich mich aber wahrscheinlich aus dem Grund immer ein wenig mehr ein, weil ich früher jahrelang selber Shirts gedruckt habe. Als Austauschschüler in Amerika hatte ich einen Freund, Mike Roman, der eigene Punk-Shirts gestaltet und gedruckt hat. Mike hat dann später auch Plattencover für uns entworfen. Von ihm habe ich die Siebdruck-Technik gelernt und angefangen, die ersten Hosen-Hemden in Eigenregie zuhause zu drucken. Das endete darin, dass die Badewanne in meiner ersten Wohnung durch das Auswaschen der Siebe, die unterschiedlichsten Farbschichten hatte – sah schon lustig aus, als ich da ausgezogen bin!