"Nerven und Geduld"
Interview für die Fortuna Aktuell am 17.11.2002 (Heimspiel gegen Viktoria Köln)
mit Breiti und Campino
??? Ihr habt in diesem Sommer beim Abschiedsspiel im Rheinstadion mitgekickt.
Mit dabei waren ehemalige Profis wie Thomas Allofs, der schon für Fortuna gespielt
hat, als Ihr gerade Eure Band gegründet habt. Hat Euch der Kick Spaß gemacht?
Breiti: Das war genial. Ich weiß noch genau, wie ich früher auf der Tribüne
gestanden habe, um mir die Allofs-Brüder anzusehen. Und da hat man damals meistens
etwas Gutes zu sehen bekommen. Dann einmal mit so einem Spieler zusammenspielen zu
können, das war natürlich ein Supererlebnis.
Campino: Ich fand das alles auch ganz schön, es war aber auch irgendwie
frustrierend. Die alten Profis haben es halt nicht verlernt. Und da lässt dich
dann einer, der über fünfzig ist, einfach so stehen, als ob das eine Kleinigkeit
für ihn wäre. Ich habe zwar die ganze Zeit gekämpft, den Ball habe ich aber trotzdem
nicht allzu oft gesehen. Ich konnte mich da nicht besonders gut in Szene setzen,
weil die alle um Klassen besser waren. Danach haben wir darüber gelacht und uns
gefragt, ob das nicht manchmal allzu blind ausgesehen hat. Es ist einfach ein
Unterschied, ob man die Mannschaft kritisiert oder selbst mitmacht.
??? Wie beurteilt Ihr die aktuelle Situation bei der Fortuna?
Breiti: Ich bin froh, dass da jetzt Leute die Verantwortung haben, die die
Situation wirklich erkannt zu haben scheinen - und auch dementsprechend handeln.
Die geben kein Geld mehr aus, das nicht da ist, wie das in den letzten Jahren leider
immer wieder der Fall war. Die haben - zum ersten Mal seit ein paar Jahren bei
Fortuna - wieder eine Idee, wie eine Mannschaft aufzubauen ist, wenn man eben nur
wenig Geld hat. Statt eine Truppe zusammenzuwürfeln, die im nächsten Jahr wieder
anders aussieht, setzen sie ganz bewusst auf junge Spieler, obwohl sie wissen,
dass die ihre Zeit brauchen werden. Für mich sieht das sehr vielversprechend aus.
Was mir auch angenehm auffällt, ist, dass in der Zeitung über den Vorstand fast
überhaupt nichts zu lesen ist. Die tun einfach nur ihre Arbeit. Und soweit ich das
mitbekomme und das beurteilen kann, tun sie das sehr gut. Es ist eben nicht so wie
in der Vergangenheit, als sich irgendwelche Selbstdarsteller für die Ämter im Verein
beworben haben, die das mehr für ihr eigenes Prestige brauchten, als dass sie mit
Sachkenntnis gute Arbeit geleistet hätten.
??? Welche Erwartungen habt Ihr an diese neue Fortuna?
Campino: Die Ruhe, die in den Verein eingekehrt ist, kann nur hilfreich sein.
Natürlich sind wir alle irgendwie ungeduldig und wollen, dass sich die Dinge schneller
zum Guten hin entwickeln, aber da muss man auch Realist sein. Jetzt ist wenigstens
dieser ewige Abwärtstrend gestoppt. Und das scheint sich zu konsolidieren. Ich
denke, dass das noch mindestens ein Jahr braucht, in dem man alles geben muss.
Zur Zeit werden einfach noch zu leichtfertig Punkte abgegeben, die man benötigten
würde, um vom Aufstieg reden zu können. Um wieder raufzukommen, muss man abgezockt
sein. Die Situation in der vierten Liga ist besonders schwierig, weil da immer nur
der Tabellenerste durchkommt. Es ist viel einfacher abzurutschen als zurückzuschwimmen.
Da müssen wir noch Nerven und Geduld haben.
??? Wie viele Spiele habt Ihr bislang in dieser Saison gesehen?
Breiti: Dadurch dass wir immer unterwegs waren, habe ich in diesem Jahr
leider erst zwei Spiele gesehen. Dabei glaube ich aber schon einen anderen Geist
auf dem Platz erkannt zu haben als in den Jahren zuvor. Es war zwar nicht so, dass
die Mannschaften in früheren Jahren nicht gekämpft hätten, aber da waren immer zwei
oder drei Spieler dabei, die das nicht regelmäßig gemacht haben. Solche Spieler
versauen nun mal auf Dauer die Moral einer ganzen Mannschaft - und da kann dann
nichts draus werden. Wenn man vom Potential jedes Einzelnen ausgeht, hätten einige
Mannschaften der letzten Jahre den Klassenerhalt - in welcher Liga auch immer -
schaffen müssen. Doch weil es intern überhaupt nicht gestimmt hat, was das letztendlich
nie möglich.
??? Wie gefällt Euch die Atmosphäre im Paul-Janes-Stadion?
Breiti: Es macht natürlich ungleich mehr Spaß, sich ein Spiel am Flinger
Broich anzusehen als vor 4.000 Zuschauern im Rheinstadion. Das ist halt immer das
Manko des Rheinstadions gewesen, egal wie schön der Bau nun mal war oder was für
gute Stimmung dort mit 40.000 Zuschauern herrschte. Die ganze Fankultur, das, was
zwischen Mannschaft und Fans während eines Spiels stattfinden sollte, ist da irgendwann
völlig den Bach runter gegangen. Das lag zum Teil an der Bauweise des Stadions, zum
Teil natürlich auch an den ganzen Misserfolgen.
??? Ein Nebeneffekt Eurer Sponsortätigkeit ist, dass Ihr jetzt bei allen Konzerten
Eurer "Auswärtsspiel-Tour" Fortuna-Trikots im Publikum entdeckt?
Campino: Ja, das ist in der Tat so, vor allem in Buenos Aires. Unsere Fans
in Argentinien sind sogar so verrückt, dass die schon bei früheren Konzerten von
uns immer Fortuna-Schals getragen haben. Und das ist in diesem Jahr eigentlich
überall so gewesen. Die Leute tragen die Fortuna-Trikots auch in Zürich, um ihre
Solidarität mit uns auszudrücken.
??? Habt Ihr zu Beginn Eures Engagements als Hauptsponsor damit gerechnet, dass
über 20.000 Trikots verkauft werden würden?
Campino: Nein, das war genauso toll wie unerwartet. Ich fand es auch sehr
nett von den Fans, dass die unseren Humor so gut aufgenommen haben. Die haben kapiert,
dass wir das nicht gemacht haben, um uns irgendwie aufzuspielen. Wir haben ja ganz
bewusst nicht "Die Toten Hosen" auf das Trikot geschrieben, der Totenkopf sollte
reichen. Wer mit uns nicht so viel anfangen kann, wird davon auch bestimmt nicht
genervt sein. Es ging damals wirklich nur darum, wie der Verein weiterzufinanzieren
ist. Ich glaube, es nimmt uns jeder ab, dass wir das nicht als Promotionaktion gemacht
haben. Es war eine reine Hilfsaktion, und wir fanden das gut, dass das Publikum das
voll erkannt hat. Die Fans haben es ja vor dieser Saison auch sehr gut angenommen, dass
sie das neue Trikot mit auswählen durften. Ich bin nur enttäuscht, dass es nicht
das mit den Querstreifen geworden ist (lacht).
Breiti: Das war eine hauchdünne Entscheidung, nur etwa hundert Stimmen
Unterschied. Die 11.000 Leute, die innerhalb von zweieinhalb Wochen im Internet
mitgemacht haben, fand ich schon eine sehr ermutigende Zahl. Es gibt also immer
noch viele Leute, die sich für die Fortuna interessieren, von daher ist das Potential da.
??? Wie beurteilt Ihr das aktuelle Verhältnis zwischen der Mannschaft und den Fans?
Breiti: Da scheint wieder eine Annäherung stattzufinden, und das ist mir auch
ganz besonders wichtig. Das Verhältnis war ja zwischenzeitlich auf null. Der Verein
ist in den letzten Jahren überhaupt nicht auf die Fans zugegangen. Die Leute aber,
die das jetzt machen, wissen genau, dass das sehr wichtig ist und tun wohl auch Einiges
dafür. Und dass die Mannschaft auf dem Platz eine gute Einstellung hat, auch wenn sie
natürlich nicht jedes Spiel gewinnen kann, scheint bei den Fans wohl auch anerkannt
zu sein.
??? Habt Ihr mitbekommen, dass die "Auswärtsspiel"-Tour der Fortuna zumindest von
den Zuschauerzahlen her auch sehr erfolgreich ist?
Breiti: Es scheint ja so einen Stamm von 2000 bis 4000 Leuten zu geben, die
immer da sind, egal was passiert. Das war ja schon damals in der Oberliga so, als
einem die dritte Liga noch wie das Letzte vom Letzten vorkam. Doch schon nach ein
paar Wochen hatten viele ihren Spaß daran gefunden - was natürlich dadurch einfacher
gemacht wurde, dass die Fortuna damals den direkten Wiederaufstieg schaffte. Da waren
dann auswärts auch immer 4000 bis 5000 Fans dabei, die überall ihre eigene Party
gefeiert haben.
??? Könnt Ihr Euch vorstellen, Euer Engagement als Hauptsponsor bei der Fortuna über
die laufende Saison hinaus fortzusetzen?
Breiti: Als wir die Geschichte angefangen haben, haben wir immer dazu gesagt,
dass wir uns das normalerweise nicht leisten können. Und deswegen haben wir uns das
Geld auch von Diebels geholt. Die haben unsere Tour gesponsort, und wir haben das
Geld an Fortuna weitergereicht. Zuallererst werden wir jetzt mit der Fortuna reden,
ob man das in der oder einer anderen Form weiterführen kann, und dann werden wir
auch öffentlich etwas dazu sagen.
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