Stand: 04.05.2012
Nach den Weihnachtskonzerten Ende 2009 fuhren Die Toten Hosen im Februar ein weiteres Mal nach Argentinien, um dann aber auch wirklich und definitiv die Machmalauter – Tour zu beenden! Grund für die Reise war ein langersehnter Auftritt beim Cosquín – Rock Festival in der Nähe von Córdoba, nachdem es in den Jahren zuvor nie geklappt hatte, der Einladung dorthin nachzukommen. Dort gab es einen gemeinsamen Auftritt und ein Wiedersehen mit Attaque 77, der legendären argentinischen Punkband.
Wo sie schon mal da war, nutzte die Band die Gelegenheit, um zum ersten Mal in der Zona Sur, den südlichen Vorstädten von Buenos Aires aufzutreten, auf die man von anderen Vierteln der Hauptstadt gerne etwas abschätzig herabblickt. Das enthusiastische Publikum sang so laut mit, dass sich die Band auf der Bühne kaum noch selber hören konnte. Bei 50 Grad Celsius in der Wellblechhalle des "Auditorio Sur" wurden so lange Zugaben gespielt, bis Vom schließlich völlig dehydriert vom Hocker kippte.
Zurück in Düsseldorf halfen keine Ausreden mehr, die Hosen schlossen sich im Proberaum ein und begannen Ideen für ein neues Album zu sammeln. Um nach Wochen in dem fensterlosen Gemäuer wieder etwas frische Luft zu bekommen, boten einige Konzerte im Sommer eine willkommene Abwechslung. Zunächst wurde Düren mit einem Auftritt in der Gewinnerkneipe der 1Live-Thekenmeisterschaft unsicher gemacht, dann noch das Eventwerk in Dresden unter Konzertbedingungen getestet und für gut befunden, bevor das "Rock am See"- Festival in Konstanz, das "Gampel-OpenAir" in der Schweiz und das "Frequency" – Festival in der Nähe von Wien gespielt wurden.
Kaum zurück, hieß es auch schon wieder Koffer packen zum nächsten großen Abenteuer. Die Tournee durch Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Jordanien, nach Istanbul, Israel und Polen brachte jede Menge unvergessliche Erlebnisse.
In den diktatorisch regierten Ländern Zentralasiens hatten viele Kids zum ersten Mal überhaupt die Gelegenheit, zu einem Rockkonzert zu gehen. Für die Hosen wie für das Publikum waren die Konzerte deswegen einmalige Erlebnisse. Ohne die Arbeit der deutschen Botschaften vor Ort wären die Genehmigungen für diese Konzerte niemals zu bekommen gewesen. Auch wenn es, wie in Tadschikistan, schon mal zu Spannungen mit den immer zahlreich vorhandenen Ordungskräften kam, konnten die Konzerte friedlich über die Bühne gebracht werden. Über Istanbul und Jordanien ging es nach Tel Aviv.
Die Geschichte holt einen dort als Deutschen genauso an jeder Ecke ein wie die Dynamik der Partymetropole Tel Aviv, ebenso wie der Wunsch vieler Israelis nach einem friedlichen Ausgleich mit den Palästinensern und ihrer Frustration über die Politik der konservativen Hardliner in der Regierung.
Nach einer kurzen Erholungspause am sonnigen Mittelmeerstrand ging es ins herbstliche Polen. Viele Freunde der Band aus Deutschland nutzten die Gelegenheit zu einem Ausflug ins Nachbarland oder fuhren gleich alle fünf Konzerte mit, per Reisebus oder Wohnmobil.
Die Konzerte und die darauffolgenden deutsch-polnischen Partys waren der beste Beweis dafür, dass es richtig gewesen war, vor Abfahrt nach Kasachstan noch schnell für den Film "Hochzeitspolka" eine polnische Version von "Eisgekühlter Bommerlunder" aufzunehmen, unter dem Titel "Zamrozona Wyborowa". Während es in dem Film zu vielen Verwicklungen und Missverständnissen zwischen Deutschen und Polen kommt, zeigten die Konzerte und die Nächte danach, dass ein wenig Alkohol auf die Völkerverständigung durchaus positive Auswirkungen haben kann.
Zu Hause waren die Koffer noch nicht ganz ausgepackt, da wurde im Proberaum auch schon wieder an neuen Liedern geschraubt.