Ewig währt am längsten - DTH in Farbe und Schwarz-Weiß
Hier könnt Ihr Euch ein paar Bilder aus dem Buch ansehen!
Achtung: Ihr müsst das Macromedia Flash-Plugin auf Eurem Computer installiert haben.
Ihr könnt es kostenlos hier herunterladen!
Carla Achenbach und Carmen Winterberg (die Macherinnen des Bildbands "Ewig währt am längsten -
Die Toten Hosen in Farbe und Schwarz-Weiß") über...
...ihre Jobverteilung beim Buchmachen:
Carla: In erster Linie haben wir zusammengearbeitet. Das Wichtigste bei der ganzen Sache war das
Bilderschauen und die Konzepte für die einzelnen Seiten zu entwickeln. Manchmal hatte die eine die Idee für das
Layout, die andere die Idee für das Foto, das dazu gut passen würde. Es gab auch Seiten, die wochenlang im
Rechner hingen, bevor uns eine Lösung einfiel, die uns zufrieden stellte.
Carmen: Carla saß am Rechner, und ich habe die Zigaretten gedreht. Das war echt fair. Ich habe so auch einen
Teil der Handarbeit geleistet (lacht). Das war eine sehr kreative Zusammenarbeit. Wir haben uns manchmal
einfach Geschichten erzählt und uns so in Ideen reingesponnen.
Carla: Es ist ja eher ungewöhnlich, dass die Leute, die das Buch gestalten, auch die Bilder selbst auswählen
dürfen. Es hätte sich aber bestimmt auch sonst keiner die Arbeit gemacht, diese 10.000 Bilder anzugucken. Für
die Arbeit war das aber super, dadurch hatten wir einen viel größeren Background. Das mit dem Zigarrenfoto
aus den 80ern und dem auf Kuba ist uns auch zufällig beim Fotosichten aufgefallen.
Carmen: Die Hosen waren übrigens bei der Quellensuche echt erstaunlich. Die wussten bei jedem Foto, woher
das stammt. Einer aus der Band wusste immer, wer das nun auf dem Foto war, wo fotografiert worden ist und
auch wann. Die haben wirklich ein unglaubliches Gedächtnis!
Carla: Manchmal wussten die sogar, dass im Archiv der Fotograf falsch angegeben war...
...andere Rock-Biographien, die als Inspiration dienten:
Carmen: Eins hatten wir ganz klar als Vorbild - und das war das Buch über Mano Negra. Das fanden wir super
und so ähnlich sind wir es angegangen, aber natürlich nicht genauso. Bei Mano Negra sind das ja alles gebaute
Sachen, da wurde nichts am Rechner gemacht.
Carla: Das ist auch ein Bildband, allerdings mit ganz vielen Collagen, Zeichnungen und auch sehr viel Text. Ich
vermute, dass dieses Buch über viele Jahre entstanden ist.
Carmen: Das wäre dann aber ein ganz anderer Zeitraum gewesen, den man dafür benötigt hätte. Für unsere
Inspiration war dieses Buch aber bestimmt sehr wichtig. Und die Hosen haben durch dieses Buch kapiert, was
wir so wollten. Sonst sind solche Rock'n'Roll-Bücher ja eher sehr textlastig - aber ich will nicht immer nur etwas
lesen. Eine Hosen-Biographie gibt es ja bereits, man muss ja nicht immer dieselben Geschichten erzählen.
Carla: Und ich glaube, dass man bei den vielen Bildern selbst beim vierten Durchschauen immer noch etwas
Neues entdeckt.
Die Zigarren-Fotos
...die Auswahl der Fotos:
Carla: Es stand relativ schnell fest, wie umfangreich das Buch werden sollte, und daran mussten wir uns
orientieren. Wir haben aber trotzdem viermal so viele Fotos eingescannt, als dann hinterher im Buch gelandet
sind. Wir haben dann irgendwann damit angefangen, uns selbst in dem Buch abzubilden, weil wir immer nur
Männer auf den Fotos gesehen haben. Da ging es dann recht schnell, bis die Hosen uns von zu Hause ihre
privaten Fotosammlungen mitgebracht haben - teilweise komplett ungeordnet in irgendwelchen Kartons. Da
wurde es dann wieder interessanter. Bei den Fotos aus Indien sind ja auch einige dabei, die die Hosen selbst
geschossen haben. Das ist extra für die Fans, die sich fragen: Mit welchem Blick gehen die denn so durch die
Welt?
...das Layoutkonzept des Bildbands:
Carla: In der Ausstellung "Zurück zum Beton" in der Düsseldorfer Kunsthalle hat man zuletzt noch mal gesehen,
dass im frühen Punk sehr viel mit dieser Kopiertechnik gearbeitet wurde. Wir haben uns aber bewusst gegen so
einen typischen Stil entschieden und auch andere Sachen ausprobiert. Die Hosen haben sich schließlich
musikalisch auch weiterentwickelt.
Carmen: Wir haben moderne Ideen und moderne Grafiken reingebracht. Es ist ja albern, wenn man sich daran
festhält, was mal vor 20 Jahren angesagt war. Die Sehgewohnheiten von Menschen ändern sich ja auch. Wie
gucke ich Sachen an, welche Qualität will ich haben? Die Plattencover wollten wir zuerst ganz rauslassen, haben
dann aber angefangen, auch Teile davon "auszuschneiden" und vergrößert daneben zu stellen.
Carla: Da sagen die Leute beim Durchblättern dann auch schon mal zu mir: Was, so viele Platten haben die
schon gemacht? In einem Buch über 20 Jahre Bandgeschichte mussten einfach auch die Plattencover drin sein.
Carmen: Es gibt ja auch nicht so viele deutsche Bands, die seit 20 Jahren bestehen. Wir hoffen, dass unser
Konzept den Hardcore-Fans gefällt, aber natürlich auch, dass es andere Leute gut finden.
...über ihren ersten Kontakt zu den Hosen:
Carmen: Ich hatte eine Fotoagentur und habe für sechs Fotografen die Jobs beschafft. Und mit Bands hat das
natürlich immer besonders viel Spaß gemacht. Ich war nicht so der typische Agent, der nur die Geschäfte macht,
sondern habe immer versucht, mit den Fotografen zusammenzuarbeiten. Ich habe mir auch Sachen zusammen
mit ihnen ausgedacht. Und so habe ich auch die Hosen besser kennengelernt. Bei der Karte für das
"Katastrophenkommando" brauchten wir zum Beispiel auf einmal ein Bein - und dann habe ich meins ins Bild
reingehalten. Meine Fotografin GABO hat dann auch das erste Nacktfoto der Hosen für "Reich & Sexy" gemacht.
Carla: Eigentlich ist ja mein Vater der größte Hosen-Fan in der Familie. Der hat mich vor zweieinhalb Jahren zu
meinem ersten Hosen-Konzert mitgenommen - und dort habe ich festgestellt, dass ich eigentlich alle Lieder
mitsingen konnte. Die Hosen wollten dieses Buch zum 20. Jubiläum machen, haben sich dann im Frühjahr unsere
ersten Entwürfe angeschaut - und waren dann schnell einverstanden.
...die überraschendsten Fundstücke im Foto-Archiv:
Carmen: Fotos, die uns überrascht haben, gab es eigentlich immer wieder. Das Bild von Andi und Breiti im
Backstage-Bereich des Tor 3 von 1987 hat uns beide schon sehr beeindruckt. Und das Live-Foto von Breiti aus
dem Jahr 1988, wie die auf der Bühne abgehen, das ist genauso großartig. Die alten Fotos sind manchmal
einfach die besseren, weil man auf einer kleinen Bühne natürlich ganz anderes aufnehmen kann. Und an
Live-Fotos hätten wir auch noch mal hundert Fotos mehr auswählen können. Live gibt es einfach immer wieder
gute Momente.
Carla: Mit diesem Foto von Breiti ist uns ja auch noch etwas Lustiges passiert. Beim Scannen haben wir noch
nicht wahrgenommen, dass da Blut auf seiner Gitarre klebte. Der hatte sich damals die Finger wundgespielt -
und uns ist das erst später in der Litho aufgefallen. Die alten Fotos, die die ganze Zeit im Keller lagen, mussten
von der Qualität teilweise noch etwas aufgearbeitet werden. Wir haben die Fotos aber meistens so genommen,
wie sie waren. Wir haben an keinem Foto rumretuschiert. Entscheidend war für uns, ob das Foto gut oder nicht
gut war. In der Litho haben wir auch entschieden, dass das Ganze nicht auf Hochglanz poliert werden muss. Wir
wollten, dass das Buch authentisch und echt rüberkommt - und außerdem zeigen, dass das Menschen sind, die
nicht immer nur auf der Bühne stehen.
...ihre persönlichen Lieblingsfotos:
Carla: Ich mag total, wie Campino 1996 im Ramones-T-Shirt auf der Bühne steht, weil das für mich auch so ein
ganz echtes Foto ist. Es ist nicht sein Lieblingsfoto, aber er war uns wohlgesonnen und hat uns erlaubt, es
abzudrucken. Genial sind auch die frühen Fotos, die wir auf einer Doppelseite zusammengefasst haben, auf
denen die Jungs Eis essen oder in ihren Schlafsäcken vor dem Fernseher sitzen. Zu den lustigsten Fotos
gehören sicherlich die, bei denen die Hosen auf der einen Seite in dem Kleiderhaufen stehen und auf der
anderen gerade auf dem Flohmarkt Klamotten einkaufen. Da gibt es auch ein Foto, auf dem Breiti einen
Karoanzug anhat, und sein Gesichtsausdruck dabei, der ist einfach super. Man muss da schon mal genauer
hingucken... Es hat natürlich viel Spaß gemacht, als dann die Privatfotos dazukamen, denn im Archiv hatten wir
doch eher mit der offiziellen Variante zu tun. Und auf einmal haben wir dann all die kleinen Schätze gefunden!

...die beiden einzigen Fotos, die extra für den Bildband entstanden sind:
Carla: Das Foto mit den Mädchen aus Rottweil ist eigentlich nur für das Buch gemacht geworden. Wir haben
vorher gesagt: "Wir hätten gerne Mädchen für den Ausklapper!" Und dann haben die Hosen Slavica als Fotografin
beauftragt, um uns das Motiv hinterher für die "Frauen dieser Welt"-Single zu klauen (lacht).
Carmen: Das zweite Foto ist aus der Aufgabe entstanden, die Plakate abzubilden. Wir haben alle Plakate auf
eine freistehende Hütte geklebt. Die sollte so aussehen, als ob die irgendwo in der Walachei steht. Und wir
wollten das stechend scharf fotografieren...
Carla: Das war in irgendeinem Dorf in der Eifel. Wir sind bei sengender Hitze in Brennnesseln und Dornen
rumgelaufen, standen auf der Leiter und haben Plakate geklebt. Die Poster hatten wir vorher lange im Keller
zusammengesucht.
Carmen: Das war auch wirklich eine klasse Aktion, nur dann kamen immer mehr Zuschauer aus dem Dorf vorbei.
Und die haben uns gesagt: "Die Plakate müsst Ihr über Nacht zuhängen, denn da kommen sonst Leute vorbei,
um die Plakate zu klauen." Und das passierte dann auch wirklich. Wir saßen in der Nacht in einem Haus in
Sichtweise zu der Hütte und mussten mitansehen, wie da Leute unter die Plane krochen. Wir sind schreiend
rausgelaufen - aber die Hälfte war schon abgerissen. Zum Glück hatten wir am Abend schon ein paar Fotos zur
Sicherheit gemacht.
Carla: Zum eigentlichen Foto, das wir morgens früh machen wollten, kamen wir aber gar nicht mehr.
Carmen: Die Eifeler Vandalen waren mal wieder unterwegs gewesen und hatten sich die Plakate geklaut! Wir
haben wirklich wie kleine Mädchen geheult, als wir da standen und den kläglichen Rest wieder einpacken
mussten.
...die Klamotten der Hosen aus 20 Jahren:
Carmen: Früher waren die Hosen modemäßig ganz weit vorne. Heute sind sie wohl keine Trendsetter mehr. Es
gibt da auch keinen großen Unterschied zwischen Bühne und Privatleben. Die Drucke, die sie heute auf ihre
Sachen machen, finde ich auch gut. In der bunten Ära gefielen sie mir aber am besten...
Carla: Du meinst doch wohl nicht Andi in seinem Rosenanzug?
Carmen: Das waren großartige Klamotten, auch diese komischen Karohosen und übergroßen Pullover.
Großartiger Müll halt. Solche Second-Hand-Klamotten kriegt man ja heute gar nicht mehr. Die kosten ja
mittlerweile genauso viel wie neue Sachen. Ganz toll fand ich natürlich auch die Hosen-Mode 1988, als man in
den gleichen T-Shirts und Höschen auf den Fußballplatz vor dem Stadtbad gegangen ist.
...zukünftige Projekte:
Carla: Wir haben echt bereut, dass wir die Veränderung unseres Arbeitsraums nicht dokumentiert haben. Am
Anfang haben wir Sachen aufgehängt, um uns zu inspirieren: Eishockey-Trikots, Zettelchen und das alte
Roswitha-Plakat. Hinterher hingen überall nur noch halbfertige Seitenlayouts. Und gegen Ende wurden es dann
Faxe, Auftragsbestätigungen und Fotografenlisten. Es war furchtbar, als es vorbei war...
Carmen: Wir waren ein halbes Jahr total fokussiert auf diese Sache, haben zwölf Stunden am Tag daran
gearbeitet. Wir würden jetzt natürlich gerne etwas mit den Red Hot Chili Peppers oder Robbie Williams machen
und auch aus diesen Posern die echte Rock'n'Roll-Ebene herausholen (lacht)...
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