FREUNDE DES HAUSES
Interview mit Fryderyk Gabowicz, Fotograf des Bildbands „Die Toten Hosen 1986-2006“ (im September 2006)
Fryderyk Gabowicz ist tot.
Unser Freund Fyderyk Gabowicz ist am Dienstag, dem 5. Juni 2007, in München im Alter von 60 Jahren gestorben.
Fryderyk Gabowicz wurde am 27. Februar 1947 geboren. Der Sohn eines Russen und einer Deutschen wuchs in der Nähe von Tel Aviv auf, erst mit 17 Jahren kam er nach Deutschland. War die Fotografie anfangs nur zur Finanzierung seines Studiums gedacht, so wurde sie bald zu seinem Lebensinhalt.
Fryderyk Gabowicz war einer der prägendsten deutschen Rock- und Pop-Musikfotografen vor allem der achtziger und neunziger Jahre. Unzählige Musiker standen vor seiner Kamera.
Er begleitete auch uns viele Jahre lang, wir haben viel zusammen erlebt, gelacht, gestritten und gefeiert. Auf Tourneen war er stets ein gerne gesehener Gast, sein Humor und seine Liebe zur Musik haben ihn ausgezeichnet.
Wir haben uns sehr gefreut, als er uns trotz seiner schweren Krankheit gebeten hat, ihn bei der Arbeit für sein grosses Hosen-Fotobuch zu unterstützen, was ihm eine echte Herzensanglegenheit war. Als er uns im Sommer 2006 noch einmal für das Buch fotografierte, konnte niemand ahnen, dass dies seine letzte Fotosession werden würde.
Fryderyk Gabowicz wird uns fehlen, wir werden ihn nicht vergessen. Seine Fotos bleiben Teil unserer Geschichte.
Welche Musik hat Dich in Deiner Jugend begeistert?
Ich war immer ein Fan des einfachen Rock´n´Roll, für den man nicht mehr als drei Griffe brauchte. In den 60er Jahren war ich selbst Bassist bei Sabris. Wir sind damals in München im PM aufgetreten, zusammen mit den Renegades. Musikalisch haben wie uns an englischen Bands wie den Kinks orientiert. Wenn Campino bei einem Konzert besonders gut drauf ist, sagt er „Hang on, Sloopy“ schon mal mit den Worten an: „Und jetzt ein Song von Sabris…“. Dabei haben wir diese Nummer nie gespielt! Wir hatten zwar auch viele Coverversionen im Programm, aber immer nur die unbekannten B-Seiten, zum Beispiel „Boys“ oder „Slow Down“ von den Beatles.
1996: Rosenmontagszug in Düsseldorf
Wie wird man als Bassist zu einem der bekanntesten deutschen Band-Fotografen?
Für meinen späteren Beruf war es unheimlich wichtig, selbst in einer Band gespielt zu haben. Ich habe niemals eine Ausbildung oder so etwas absolviert, sondern mich allein mit meinen Fotos durchgesetzt. Meinen ersten festen Job bekam ich beim Freizeitmagazin „Rocky“, wo ich immer die Foto-Love-Story fotografiert habe. Der erste Musiker, mit dem ich als Fotograf arbeiten durfte, hieß dann etwas später Cliff Richard. Und das fand ich natürlich klasse: Cliff Richard war immer ein absolutes Idol von mir gewesen, seitdem er in den 60er Jahren tollen Rock´n´Roll gemacht hatte. Er war damals sogar bei derselben Plattenfirma wie Elvis Presley.
1979 bist Du bei der Jugendzeitschrift „Bravo“ gelandet. Welche Bands hast Du dort in den 80er Jahren am regelmäßigsten fotografiert?
Die Toten Hosen, Modern Talking – und natürlich Nena, die bekanntlich die meisten „Bravo“-Titelbilder aller Zeiten hatte. Das allererste Cover von Nena stammte zum Beispiel von mir. Die erste Single „Nur geträumt“ war gerade in der Mache, da habe ich sie schon fotografiert. Man kannte sie zu der Zeit als ‚das Mädchen mit dem kurzen Röckchen“, aber das daraus so ein Hype entstehen würde, hätte ich damals nicht gedacht. Carlo, einer ihrer Musiker, hat mich später auch mal beiseite genommen und mir eingebläut, dass „Nena“ eine ganze Band sei und nicht nur eine einzelne Person. Da gab es innerhalb der Band durchaus ein paar Eifersüchteleien…
Seit den 90er Jahren hast Du regelmäßig mit Robbie Williams gearbeitet. Daraus resultierte bereits der Bildband „Robbie Williams Live – Backstage – Studio: Fotografien 1993 – 1999.“ bei Schwarzkopf & Schwarzkopf. Wie hast Du den heutigen Weltstar kennen gelernt?
Ich habe mich bei allen Bands immer auf einen fixiert – und bei der klassischen Boygroup Take That war das eben Robbie. Mit dem bin ich immer schon gut zurecht gekommen. Und es war bereits zu dieser Zeit zu merken, dass er etwas Besonderes ist. Der wusste schon damals, das richtige Rock´n´Roll-Feeling rüber zu bringen. Wenn die Mädels vor dem Hotel auf die Band warteten, bin ich allerdings nie mit dabei gewesen (lacht). Bei den Hosen war mir im Gegensatz zu Nena oder Take That sofort klar, dass das eine Band mit gleichberechtigten Mitgliedern ist. Natürlich war Campino als Sänger irgendwie die Nummer eins, aber ich habe zum Beispiel sofort gesehen, dass Kuddel ein hervorragender Musiker ist.
1990: Fahrradtour durch die DDR
Wann hast Du die Hosen zum ersten Mal fotografiert?
Die Hosen haben in München beim „Formel Eins“-Film mitgespielt und ich war am Filmset, um Limahl abzulichten. Ich hatte schon alles aufgebaut, da kam ein Mitarbeiter von seiner Plattenfirma an und hat mir mitgeteilt: „Statt einer halben Stunde kriegst Du heute nur 15 Minuten.“ Da habe ich ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass ich dann lieber auf den Termin verzichte. Während sich Limahl also nichts ahnend hinsetzte, haben wir um ihn herum wieder abgebaut. Mein Satz lautete: „Ich mache zwar Bandfotos für einen Kindergarten, aber ich bin kein Kindergarten.“ Und dieses Statement hat die Hosen wohl nachhaltig beeindruckt. Da wussten sie: Mit dem können wir es mal versuchen! Was folgte, waren zahlreiche Versuche, bis ich mir das nötige Vertrauen verdient hatte…
Hattest Du das vorher schon mal erlebt, dass eine Band der „Bravo“ so skeptisch gegenüber stand und eher nicht mit ihr zusammenarbeiten wollte?
Nein, und das hat die Band für mich so interessant gemacht! Ich war es ja von anderen Künstlern gewohnt, dass die vor mir sofort die Hosen runterlassen und einem Puderzucker in den Arsch blasen. Bei den Hosen war mir von Anfang klar: Bei denen läuft die Geschichte ganz anders. Die sind anders als die anderen Bands, die ich kennen gelernt hatte. Ich musste mich erstmal beweisen. Zum ersten Mal von den Hosen gehört hatte ich übrigens durch meine alten Freunde von Extrabreit. Die haben mir irgendwann von der „geilen neuen Band aus Düsseldorf“ berichtet und mir die Single „Eisgekühlter Bommerlunder“ in der Jukebox vorgespielt. Das Stück fand ich aber erstmal gar nicht so toll…
Im Bildband „Die Toten Hosen 1986-2006“ sieht man jetzt, dass Deine ersten Live-Fotos von den Hosen in Wackersdorf entstanden sind. War die „Bravo“ denn so politisch?
Bei dem Anti-Atomkraft-Festival waren damals die wichtigsten deutschen Künstler vertreten, von Grönemeyer über Udo Lindenberg und den Biermösl Blosn bis BAP. Da musste ich als „Bravo“-Fotograf allein schon deshalb vor Ort sein, weil dort so viele Bands auf einmal versammelt waren. Den Hosen war es damals aber offensichtlich wirklich wichtig, sich für die Sache zu engagieren. Und der Einsatz hat sich ja auch gelohnt: Die Wiederaufbereitungsanlage ist hinterher nicht gebaut worden.
"Es war aber auf keinen Fall so, dass sich die Band verkleidet hätte. Die standen einfach auf diesen Papageien-Look und kamen dadurch genauso frisch rüber, wie sie es auch als Band waren. Wegen mir hätten sie das nicht ändern müssen...."
Wie gestaltete sich die Kontaktaufnahme zu den Hosen, die dort auf dem Zeltplatz nächtigten?
Ich habe damals eine ganz spezielle Erfahrung gemacht: Als ich die Band in ihren „Ficken, Bumsen, Blasen“-T-Shirts fotografieren wollte, hat Trini zu mir gesagt: „Dann musst Du die aber selbst kaufen!“ Trini war damals ein sehr guter Tischkickerspieler. Gegen die anderen Hosen habe ich immer gewonnen, nur gegen Trini nicht. Und deshalb habe ich ihm das nicht krumm genommen und das Geld auf den Tisch gelegt. Später hat meine Schwiegermutter die T-Shirts nach dem Waschen immer auf die linke Seite gedreht, bevor sie die im Garten aufgehängt hat (lacht).
Was hat die Hosen von anderen Bands unterschieden, die Du während all der Jahre für die „Bravo“ fotografiert hast?
Ich hatte bei den Hosen wirklich nie das Gefühl, dass da etwas gekünstelt ist. Die haben sich vor der Kamera immer so verhalten, wie sie auch wirklich sind. Und wie sie etwas gesagt haben, haben sie es auch gemeint. In den ersten Jahren war es natürlich schon sehr wild, was die Jungs auf der Bühne abgezogen haben. Die wollten halt eine gute Show bringen – und das ist ihnen auch gelungen. Ich weiß noch, dass mich irgendwann die Mutter von Campino gefragt hat, ob ich nicht mal mit ihrem Sohn reden könne. Sie hatte immer etwas Angst um ihn, weil er bei Konzerten andauernd irgendwo hochgeklettert ist.
Wie sah es in diesen Jahren hinter der Bühne aus?
Die Jungs waren nach jeder Show fix und fertig. Wenn ich zum Beispiel an Wölli denke und die total überfüllten Clubs in Buenos Aires – der hat hinterher richtig nach Luft geschnappt. Mit Wölli hatten die Hosen 1987 zum ersten Mal einen richtigen Schlagzeuger. Trini war ein Genie, was das äußere Erscheinungsbild anging, aber kein guter Schlagzeuger. Einer seiner typischen Sätze war: „Dieses Outfit sieht super aus, das passt überhaupt nicht zusammen – und so lassen wir´s!“ Es war aber auf keinen Fall so, dass sich die Band verkleidet hätte. Die standen einfach auf diesen Papageien-Look und kamen dadurch genauso frisch rüber, wie sie es auch als Band waren. Wegen mir hätten sie das nicht ändern müssen, aber letztendlich war das wohl doch die richtige Entscheidung.
Im Bildband erzählen die Hosen davon, dass sie in den 80er Jahren manchen Backstage-Bereich zerlegt hätten?
Das hat mich schon etwas gewundert. Es hat doch damals überhaupt keinen Backstage gegeben (lacht)! Ich habe jedenfalls in den frühen Tagen nie einen Backstage-Bereich gefunden. Der Einzige, der auf Tour immer schon einen speziellen Raum hatte, war Faust. Die anderen Bandmitglieder sind normal im Club herumgelaufen…
1990: Fußball-WM in Italien
Im Bildband finden sich überwiegend Live-Aufnahmen, Studio-Sessions und Video-Clip-Dreharbeiten. Was hat Dir am meisten Spaß gemacht?
Natürlich war es klasse, für die Video-Clips nach Amsterdam oder New York zu fahren. Der Dreh auf der Holzachterbahn in Coney Island war schon spektakulär. Ich habe mir das zwei, drei Tage lang aus nächster Nähe angeschaut und dokumentiert. Kurz bevor ich zum Flughafen musste, hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit, um auch noch ein paar Bilder mitten in New York zu machen. Wir haben das dann aber noch schnell durchgezogen. Die Hosen waren bei der Motivwahl immer sehr unkompliziert. Und wenn nicht, hatte ich immer noch meine „magic words“ in der Hinterhand. Ich brauchte nur zu sagen: „DAS ist ein Poster!“ Und dann wussten sie, dass sie nicht umsonst gearbeitet hatten.
Die spektakulärsten Momentaufnahmen hast Du aber auf der Bühne gemacht…
Die Konzerte waren immer das Schönste für mich. Ich habe mir irgendwann vorgenommen, bei den Hosen nur noch die letzten 20 Minuten zu fotografieren. Dann ging die Post richtig ab, da wurde die Sau raus gelassen und das waren die besten Bilder. Und wenn man die Live-Fotos heute anschaut, kann man den Schweiß fast noch riechen! Leider ist es bei den meisten Bands heutzutage so, dass man als Fotograf nur noch die ersten drei Stücke fotografieren darf. Und das ist wirklich furchtbar für uns. Wie soll man eine Band wirklichkeitsgetreu abbilden, wenn man nur zu Konzertbeginn in den Graben gelassen wird?
Was besonders auffällt, sind die wahnsinnigen Sprünge. Wie ist es Dir gelungen, diese Posen so punktgenau einzufangen?
Ich bin der Meinung, dass man dafür ein musikalisches Taktgefühl braucht. Man muss genau wissen, wann die Musiker springen. Und wenn man Glück hat, kriegt man bei den Hosen auch mal mehr als die obligatorischen Sprünge von Campino geboten. Kuddel kann nämlich auch sehr gut springen, macht das aber immer nur dann, wenn er sehr gut drauf ist.
Bei Studioaufnahmen ist die Anzahl der Möglichkeiten, wie sich eine fünfköpfige Band aufstellen kann, begrenzt. Wie macht man das optimale Bandfoto?
Das ist immer von der Location abhängig. Wenn es früher keinen Backstage-Bereich gab, mussten wir auch mal eine Pappe als Hintergrund aufbauen. In einem solchen Fall wurde improvisiert. Ich habe dann vorher ein Polaroid gemacht und es den Jungs gezeigt. Sie konnten dann entscheiden, ob ihnen das Motiv gefällt oder nicht.
Was durftest Du nicht fotografieren?
Campino beim Einsingen vor dem Konzert und mit seinem Inhalator. Einmal habe ich ihn dann doch mit dem Inhalator erwischt. Da hat er mir aber den Stinkefinger gezeigt. Und von da an habe ich es nie wieder probiert (lacht).
Wie viele Fotos hast Du zwischen 1986 und 2006 insgesamt von den Hosen gemacht?
Ich habe es leider nie nachgezählt, obwohl ich alles in zwei Schränken archiviert habe. Ich schätze, dass es an die 200.000 Dias sind, die bei mir lagern, aber ich weiß es nicht genau. Die Fotos für den Bildband hat letztendlich Oliver Schwarzkopf vom Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf rausgesucht. Und er hat dabei wirklich ein gutes Händchen bewiesen; alle wichtigen Zeitdokumente sind dabei.
Hast Du irgendein Lieblingsfoto von den Hosen?
Ja, aber genau das finde ich gerade nicht! Einmal habe ich sie alle vorne auf der Bühne zusammen im Sprung aufgenommen. Das war auf der Warped-Tour in Australien, aber das Dia ist irgendwie verschwunden. Sollte es noch mal unter irgendeinem Stapel auftauchen, wird das natürlich nachgereicht. Es gibt aber im Buch ein ganz tolles Foto von Campino, auf dem er wahnsinnig hoch springt und dabei einen Spagat macht. Wenn man einen Winkelmesser anlegen würde, ergäbe das locker 180 Grad. Das Bild hätte man auch auf das Cover packen können.
Du hattest bei den Hosen häufiger das Privileg, auf der Bühne fotografieren zu dürfen. Im Bildband kann man nachlesen, dass das auch einmal schief gegangen ist…
Ich bin wie gewohnt über die Bühne gelaufen und dabei aus Versehen an irgendeinen Knopf gekommen. Normalerweise drückte man da nur drauf, wenn man sein Instrument unbemerkt stimmen wollte. Doch plötzlich war in der Olympiahalle in München der Sound von Andi weg. Und ich war schuld. Was habe ich mich damals geschämt! Den folgenden Anschiss von Breiti hatte ich mir auf jeden Fall redlich verdient.
Wenn man den Bildband durchblättert, fällt einem schnell auf, dass Ihr zusammen ganz gut rumgekommen seid. Welches war der beste Auslandseinsatz?
Der absolute Höhepunkt war unser Trip nach Brasilien, bei dem wir Ronnie Biggs kennen gelernt haben. Der hat uns als Engländern mit seinem speziellen Humor in Rio de Janeiro mit einer Pickelhaube empfangen und erstmal mit einem herzlichen „Heil Hitler“ begrüßt! Da war ich erstmal etwas irritiert, aber nur für kurze Zeit. Die Jungs haben ihm sofort klar gemacht, dass ihr Humorverständnis ein bisschen anders ist. Und dann haben wir von vorne angefangen und uns noch mal ganz normal begrüßt. Es war klar, dass die Zusammenarbeit einer deutschen Band mit dem legendären englischen Posträuber eine große Geschichte werden würde. Und deshalb war ich natürlich mitgefahren, wieder mal als einziger Fotograf.
Wie kam es in Rio de Janeiro zu dem berühmten Vertrag auf der Serviette?
Damals hatte ich vom Fotografieren eigentlich die Schnauze voll. Ich wollte mir lieber ein Boot kaufen und damit um die Welt fahren. Das habe ich den Hosen in Brasilien erzählt und ihr erster Gedanke war: ‚Was passiert dann mit all unseren Bildern?“ Darauf habe ich ihnen versprochen, dass ihnen alle meine Fotos gehören, falls es mich mal nicht mehr geben sollte. Ich hatte diesen Satz kaum ausgesprochen, da wurde von den Jungs auch schon ein Vertrag aufgesetzt – auf einer Serviette. Das Dokument ist wohl später in Düsseldorf wirklich abgeheftet worden.
Wegen der Hosen bist Du auch öfter mal in Düsseldorf gewesen, einmal sogar hinter Gittern…
Das war 1995, als die Hosen kurz vor Weihnachten im Gefängnis gespielt haben. Zu dieser Zeit waren die ersten Handys im Umlauf und mich hat ein junger Häftling gefragt, ob er sich meines mal kurz ausleihen könne, um seine Freundin anzurufen. Ich habe überhaupt nicht gerafft, dass das natürlich komplett verboten war und habe ihm das Teil in die Hand gedrückt. Gottseidank hat das kein Beamter mitbekommen! Wenn das einer gesehen hätte, hätten die mich womöglich gleich da behalten (lacht). Er hat aber wirklich nur seine Freundin angerufen!
1995: Video-Clip-Dreh zu "Nichts bleibt für die Ewigkeit" in Amsterdam
Was war die größte Veränderung, die Du innerhalb der Band in 20 Jahren bemerkt hast?
Kuddel hat neulich Fußball geguckt, Deutschland hat ein Tor geschossen und er ist in die Höhe gesprungen! Dabei hat er sich früher überhaupt nicht für Fußball interessiert. Kuddel hat mir sogar immer ein bisschen Leid getan, dass er immer zu den ganzen Spielen mitkommen musste. Während der WM 1990 in Italien war das natürlich besonders extrem. Jetzt scheint ihn der Fußballvirus auf die alten Tage aber doch noch erwischt zu haben…
Nach all der Zeit im Musikzirkus hast Du im letzten Jahr zwei Schlaganfälle erlitten. Wie geht es Dir heute?
Ich bin immer noch nicht wieder voll auf dem Damm. An alles, was früher los war, kann ich mich noch nicht richtig erinnern. Aber ich war sehr stolz, als ich nach meinem ersten Schlaganfall ein Buch von den Hosen geschenkt bekommen habe, von allen unterschrieben. Zu meinem Professor habe ich damals gesagt: „Meine Lieblingsband hat mir ein Buch namens ‚Please Kill Me’ geschenkt. Da kann ja nichts schief gehen!“ Dieses Geschenk hat mir in der Situation wirklich sehr geholfen – und den englischen Humor der Jungs habe ich schon immer zu schätzen gewusst.
Wenn Du von Lieblingsband sprichst, dürfen die Beatles nicht unerwähnt bleiben…
Bei den Beatles wäre ich gerne so nah dran gewesen, wie ich es bei den Hosen tatsächlich war! Ich habe die Beatles leider nur einmal live gesehen, im Circus Krone in München. Da habe ich die Hosen später auch mal fotografiert und ihnen gezeigt, wo sich die Beatles umgezogen haben. Mittlerweile hatte ich immerhin mal mit Paul McCartney und Ringo Starr zu tun. Unser gemeinsames Projekt beschäftigte sich damit, wie die Beatles einmal Elvis getroffen haben. Weil es keine bewegten Bilder von dieser Begegnung gibt, hat Klaus Voormann die Geschichte nach den Erzählungen der Band gezeichnet. Schöner Nebeneffekt: Seit dieser Zusammenarbeit habe ich zu Hause einen unterschriebenen Beatles-Bass stehen, der natürlich einen Ehrenplatz in meiner kleinen Sammlung bekommen hat.
Was ist Deine beste Rock´n´Roll-Geschichte, die Du nicht mit den Hosen erlebt hast?
Ich war mit Extrabreit beim Fallschirmspringen in Donauwörth, nicht weit von München. Auf einmal meinte deren Bassist: ‚Komm, wir machen mal einen auf Rockstar! Wir fahren nicht mit dem Auto, wir fliegen zurück!“ Ich saß dann vorne neben dem Piloten und der Bassist hinten, mit der Frau vom Piloten. Wir waren kaum in der Luft, da hörte ich hinter mir andauernd irgendwelche Geräusche. Als ich mich umdrehte, musste ich feststellen, dass der „Rockstar“ voll die Alte angegrabbelt hat! Ich habe mir natürlich gedacht: „Wenn das der Pilot sieht, dann…“. Ich habe mich dann plötzlich sehr für die Luftfahrt interessiert und ihn über jedes einzelne Instrument ausgefragt – damit er gar nicht erst auf die Idee kommt, nach hinten zu schauen. In diesem Moment habe ich aber wirklich ein bisschen Angst gehabt.