„Es geht wieder los auf Tour “
Interview mit Schande, Tour-Security-Mann bei den Hosen und „Freizeitrocker“
(im April 2005)
Dein Leben spielt sich wechselweise zwischen dem Rock´n´Roll-Zirkus und
Motorrad-Club ab, also in einer Parallelwelt zu bürgerlichen
Lebensentwürfen?
Hauptsächlich lebe ich schon sehr bürgerlich. Ich mag aber alle diese drei
Lebensphasen sehr gerne. Der Motorrad-Club ist für mich eher eine
Wochenend-Geschichte. Da bin ich eher so ein Freizeitrocker (lacht). Ein
richtig intensives Rockerleben findet heute auch nur noch bei wenigen Clubs
statt. Die Künstler im Rock´n´Roll führen aber durchaus ein Leben, das sich
vom bürgerlichen unterscheidet. Und deshalb ist es für mich immer eine
Freude, wenn der Manni ( Manfred Meyer) mich anruft und sagt: „Es geht wieder
los auf Tour!“
Wie viele Monate im Jahr bist Du als Tour-Security-Mann unterwegs?
Mitglieder im selben Motorrad-Club:
Schande (links) und Manfred Meyer,
Chef-Security-Mann der Hosen
Normalerweise bin ich sechzig Prozent zu Hause und vierzig Prozent auf Tour.
In einem Jahr, in dem die Hosen auf eine größere Tour gehen, dreht sich das
natürlich ins Gegenteil. Das war früher noch ganz anders. Ich habe
eigentlich mal Automechaniker gelernt. Mein Vater war aber Dachdecker und
wollte, dass auch ich aufs Dach gehe. Und deshalb bin ich dann auch
Dachdecker geworden und habe das 20 Jahre lang gemacht. Irgendwann ging mir
das aber zu sehr auf die Knochen. Und danach habe ich alles gemacht, was
Geld brachte: Kioskbesitzer, Kaminholzhacker, LKW-Fahrer usw. Der Spaßfaktor
war mir aber auch immer sehr wichtig.
Du sprichst einen sehr ausgeprägten hessischen Dialekt: Woher stammst Du
genau?
Ich bin in Wiesbaden geboren, bin sozusagen Voll-Hesse. Mittlerweile wohne
ich in Rheinland-Pfalz, aber Hessen finde ich nach wie vor super, weil man
von dort so schnell in den Bergen ist. Die Eifel liegt ja gleich nebenan und
man ist auch ruckzuck in Bayern. Das einzige Land, in das ich komplett übersiedeln würde, wäre Bayern, weil ich die Lebensart dort schätze. Die
Menschen sind sehr direkt, offen und ehrlich und halten an Traditionen fest.
In Hessen sind die eher alle etwas stur. Die gehen zum Lachen in den Keller,
sogar bei der Fassnacht.
Wie bist Du denn privat eigentlich unterwegs, immer mit dem Motorrad?
Wenn das Wetter entsprechend ist, fahre ich viel mit dem Motorrad. Ich fahre
seit meinem vierzehnten Lebensjahr „Moped“. Mein erstes Moped war eine 50er
von Hercules, meine erste größere Maschine war eine 250er von Suzuki, dann
folgte eine 1100er von Yamaha und dann kam halt die Harley. Und jetzt hänge
ich auf einer V-Maxe rum. Die ist einfach besser zum Reisen und Herumfahren,
wenn man unterwegs nicht so viel schrauben will.
Fährst Du lieber alleine Motorrad oder doch mit einem großen Haufen anderer
Biker?
Ich fahre gerne in der Gruppe, aber in keiner zu großen. Das wird dann zu
chaotisch, weil das nicht jeder beherrscht. Wenn ich am Wochenende daheim
herumfahre, sind wir immer so vier, fünf Leute. Dann gucken wir uns einfach
die Gegend an. Meine weiteste Tour war Italien. Da haben wir es uns richtig
gegeben, sind eine Woche lang durch das ganze Land gefahren. Ich fahre dann
die meiste Zeit Landstraße und bleibe dort stehen, wo es mir gefällt. Und da
suche ich mir dann irgendwas, wo ich schlafen kann, oder lege mich auch mal
einfach mit dem Schlafsack auf die Wiese. Mehr brauche ich nicht, wenn ich
mit meinem „Moped“ unterwegs bin.
Dein Moto-Club heißt „Black Devils“. Seit wann bist Du dort Mitglied?
Ich bin jetzt 48 Jahre jung und seit 27 Jahren dabei, also den größten Teil
meines Lebens. Ich bin damals über meinen Schwager an den Club gekommen und
hatte natürlich am Anfang auch meine Prospect-Zeit. Das war keine klassische
Aufnahmeprüfung, aber für mindestens ein Jahr musste man sich um die älteren
Mitglieder kümmern. Die Leute wollen dich halt kennen lernen und du kannst
so ein Zeichen setzen, dass du ein wirkliches Interesse an dem Club hast. Zu
meiner Zeit war das auch noch etwas strenger, als das heute gehandhabt wird.
Früher musste man als Prospect immer vor Ort sein. Wenn du angerufen
wurdest, musstest du da sein, egal ob du gerade auf der Arbeit warst oder
nicht. Ich hatte zum Glück immer gute Arbeitgeber (lacht).
Wie sieht das Clubleben bei den „Black Devils“ aus, außer dass man zusammen
mit dem Motorrad rumfährt?
Wir gehen zusammen grillen, schwimmen oder ins Kino – machen eigentlich
alles, was auch sonst in jeder normalen Familie abgeht. Wir fahren auch mal
in einen Vergnügungspark und sind mit den Kindern unterwegs. Es ist ja nicht
so, als wären wir alle kinderlos. Es sind meistens eher so aktive Sachen wie
Zelten gehen, die bei uns auf dem Programm stehen. Und wir haben sicherlich
eine besondere Beziehung zur Natur. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das
bei uns spannender abläuft als in anderen Familien, wir haben aber
vielleicht etwas mehr Spaß, weil wir eine andere Lebenseinstellung haben.
Welche Rolle spielt die Musik in Eurem Moto-Club?
Gute Musik war schon immer ein guter Grund zu feiern. Von daher spielt sie
eine ganz wichtige Rolle. Bei uns im Club-Heim läuft viel Rock´n´Roll, viel
Blues, alte Sachen. Obwohl ich eigentlich gar kein Englisch verstehe, kennt
man halt die bekanntesten Stücke. Die Rolling Stones sind natürlich weit
vorne in unserem Club. Und die Hosen laufen natürlich auch. Das neue Album
halte ich übrigens für das beste, das sie je aufgenommen haben.
Wie bist Du mit den Hosen in Kontakt gekommen?
Beim Tour-Warm-Up 2005 im
Schnee: Schande mit der Band in
Samnaun
Kennengelernt habe ich sie über den Herrn Meyer. Durch den habe ich erstmal
auf einem Konzert hier in der Nähe gearbeitet. Und daraus hat sich ergeben,
dass ich sie seit 1998 regelmäßig auf Tour begleite. Sie haben außerdem auch
schon zweimal bei uns im Clubheim gespielt. Und dabei waren die immer ganz
locker drauf. Beim ersten Mal haben sie im Clubheim in Mainz gespielt, das
eigentlich verhältnismäßig klein ist. Das war ein Raum, der nicht mal 300
Quadratmeter hatte. Jetzt in Mombach hatten wir um die 700 Quadratmeter und
da sind über 2.500 Leute gekommen. Eigentlich hatten wir das Ganze ja geheim
gehalten, aber es ist wohl irgendwie durchgesickert. Ich habe vorher noch
nie so viele Menschen in unserem Clubhaus gesehen (lacht).
Jetzt bist Du schon seit sieben Jahren dabei; wie hat sich Dein Job in der
Zeit verändert?
Ich bin vom Eingang zur Bühne gewechselt. Am Anfang war ich noch nicht im Graben dabei. Da habe ich mich eher um den Einlass gekümmert. So als Schmalhans habe ich mir das auch nicht unbedingt zugetraut, weil es da vorne schon ganz schön hart ist. Die Jungs sind da nach den knapp drei, vier Stunden schon immer sehr abgekämpft rausgestiegen. Mittlerweile ist mir der Graben aber lieber als all die anderen Positionen, die es zu bekleiden gibt.
Wie lang ist Dein durchschnittlicher Arbeitstag beim 2. Teil der „Friss oder
stirb“-Tour?
Wenn es schlecht läuft, hat man schon mal so einen „18er“ dabei. Die Regel
sind aber 14 bis 16 Stunden. Weil wir aber mit zwölf Leuten unterwegs sind,
können wir uns das schon ganz gut einteilen, dass man sich auch mal zwei,
drei Stunden ablegen kann. Denn wenn man diese Mütze Schlaf nicht kriegt,
macht man den Job garantiert nicht lange.
Du hast mal gesagt, dass Du es als Deine Aufgabe ansiehst, dass die Band
zufrieden gestellt wird und das Publikum fair behandelt werden muss…
- Schande (hier mit Campino):
"Die Optik beeindruckt schon ein
bisschen."
Das Publikum besteht aus Menschen, die uns bezahlen. Wenn wir die mies
behandeln würden, würden sie uns auch mies behandeln und nicht mehr auf die
Konzerte kommen. Da hätten dann weder die Hosen etwas davon, noch wir. Und
wie man in den Wald hineinruft, so schallt es halt hinaus. Wir kriegen nur
hin und wieder mal ein paar dumme Sprüche gedrückt, z.B. wenn jemand von den
Fans zu viel Alkohol getrunken hat, aber eigentlich lässt sich auch im
Graben immer alles mit Worten lösen. Die Hosen-Fans sind insgesamt auch sehr
umgängliche Zeitgenossen.
Sicherlich habt Ihr ja auch so etwas wie eine natürliche Autorität, wenn Ihr
irgendwo zusammen schwersttätowiert auftaucht.
Die Optik beeindruckt schon ein bisschen (lacht). Wenn wir dann aber ein
Späßchen gemacht haben, wissen andere Leute spätestens, dass wir schlimmer
aussehen als wir eigentlich sind. Das gehört halt zu unserer Lebensart,
deshalb haben wir uns so zuschmieren lassen. In Helgoland sind wir aber
sogar mit dem Bürgermeister mit dem Boot rumgefahren. Der hat schnell
gemerkt, dass wir umgängliche Typen sind. Und auch mit den anderen
Ureinwohnern sind wir auf der Insel gut klar gekommen.
Was darf in Deinem Tourgepäck nie fehlen?
Meine Messer und meine Digitalkamera, ab und zu noch eine Videokamera, hin
und wieder auch eine Axt. Die Messer habe ich natürlich nicht dabei, um
irgendeinen abzustechen, sondern weil ich Messer sammle. Das Messer gehört
einfach zu mir. Ich brauche Messer. Wenn ich ein Brot schmiere, brauche ich
ein Messer. Und weil man das Brot nicht mit demselben Messer schneiden will,
das man vorher in der Butter hatte, brauche ich halt zwei Messer usw. Das
Fotografieren habe ich zuletzt etwas reduziert. Früher waren das bei einem
Konzert mit anschließender Party hinterher 600 bis 1200 Bilder. Heute sind
es eher 300 bis 500.
Wo bist Du mit den Hosen auf Tour bislang hingekommen?
In Deutschland war ich natürlich schon überall. Sehr interessant war jetzt
zuletzt Osteuropa, als wir in der Gegend rund um Serbien unterwegs waren.
Die Krönung war für mich aber vor zwei Jahren Argentinien. Die Mentalität
der Leute dort ist ganz anders. Das ist halt noch richtiger Punk-Rock. Und
die Punk-Rocker dort pflegen die Tradition, als Zeichen der Anerkennung zu
spucken. Das passiert in Deutschland auch, aber äußerst selten. Als ich dann
in Argentinien zum ersten Mal im Graben war, habe ich gedacht, da hätte
irgendwer die Dusche angemacht (lacht)
Zwischen den Touren entspannst Du Dich Gerüchten zufolge auf Deinem Landgut
in Ostpolen?
Das ist eher eine Blockhütte, mit drei Zimmern und Küche, dafür ohne
Toilette und fließendes Wasser – aber wir haben schon Strom. Das sind ein
paar Stallungen, drei Hektar Wald und fünf Hektar Feld und Wiesen. Es ist
wirklich am Arsch der Welt, 15 Kilometer von der weißrussischen Grenze
entfernt, der nächste Nachbar wohnt einen Kilometer weg. Das ist eine der ärmsten Gegenden von Polen. Und jeder ist Selbstverpfleger. Wer dort wohnt,
hat seinen eigenen Gemüseanbau und sein eigenes Viehzeug.
Wie sieht es bei Dir privat mit Haustieren aus?
Ich halte mir natürlich auch ein paar Tiere: Hunde, Katzen, Fische, ein
Hausschwein – und eine Würgeschlange. Früher hatte ich auch mal drei. Wenn
es im Sommer schön warm ist, hänge ich mir die auch schon mal um den Hals
und gehe mit der draußen spazieren. Tiere haben ja den unbestreitbaren
Vorteil, dass man sich hervorragend mit ihnen unterhalten kann (lacht).
Die Homepage des Black Devils MC: www.black-devils.de |