Freunde des Hauses //
Trini Trimpop

"Es wurde ein Film, der nicht mehr auf der Leinwand spielte..."

Interview mit Trini Trimpop, ehemaliger Schlagzeuger und "Trainer" (Oktober 2000)

??? Trini, wie bist Du als Sauerländer damals überhaupt nach Düsseldorf gekommen?

Trini Trimpop: Ich bin in Kierspe aufgewachsen, war aber Anfang der 70er schon recht häufig in Düsseldorf. Das hatte damit zu tun, dass mein damaliger bester Freund Muscha an der Kunstakademie studierte. Ich habe mein Studium zu der Zeit mit Lkw-Fahren finanziert, musste deshalb bis zu dreimal in der Woche nach Düsseldorf und konnte dann auch bei Muscha übernachten. In Düsseldorf fanden eine Menge Konzerte statt - und dann bin ich 1976 mit 25 Jahren einfach hier geblieben.

??? Wie kam es dazu, dass Du künstlerisch aktiv geworden bist - zunächst als Filmemacher?

Trini Trimpop: Ich habe überlegt, ob ich Kunst oder Sozialpädagogik als Studienfach wählen soll. Zuvor hatte ich mal angefangen, BWL zu studieren. Das Studium dauerte aber insgesamt nur vier Tage - ich fand sehr schnell heraus, dass mich das alles nicht interessierte. Muscha sagte immer, dass ich, wenn ich Künstler werden möchte, nicht unbedingt zur Kunstakademie muss. Er war ja schon da und wusste, wovon er sprach. Da ich schon immer eine soziale Ader hatte, habe ich dann von 1972 bis 1976 Sozialpädagogik in Siegen studiert. Ich lernte also letztendlich die andere Seite der Betriebswirtschaft kennen.

??? Wie hieß Euer erster Film?

Trini Trimpop: Blitzkrieg Bop - schwarz-weiß - auf Super 8. Mein Vater besaß damals eine Super 8-Kamera und mit der haben wir den Film gedreht. Es haben uns dabei Freunde aus Düsseldorf geholfen, zum Beispiel Andi Brenner. Die Szene hielt damals noch zusammen und jeder kannte jeden. Die Jungs von Kraftwerk, die damals schon Hits hatten, hingen im Ratinger Hof ab und man konnte sich mit denen unterhalten. Das geht heute nicht mehr, höchstens auf der Expo. Die trifft man einfach nicht mehr. Damals musste man nur in den Ratinger Hof gehen. Die ganze Musikszene vom Punker Janie Jones bis Kraftwerk, die waren alle in Düsseldorf. Leute aus der Szene haben uns dann eben auch geholfen, Filme zu machen. Brigitte Bühler, die leider schon verstorben ist, hat uns einen Film finanziert. Zusammen mit Klaus Maeck habe ich 1983 den Film "Decoder" gedreht, der manchmal noch in kleineren Kinos gezeigt wird.

??? Wie bist Du an die Schauspieler für die Filme gekommen?

Trini Trimpop: Mufti von den "Einstürzenden Neubauten" und Christiane F. haben damals bei Klaus Maeck gewohnt; mit William Burroughs hatte Maeck mal ein Interview geführt und ihn dabei kennengelernt. Und Muscha und ich galten zu der Zeit immerhin als Deutschlands große Hoffnung als Filmemacher auf der Suche nach einer neuen Ästhetik. Ich glaube, dass wir eine Menge hätten bewirken können, wären wir dabei geblieben. Dann kam aber die Musik dazwischen. Es wurde für mich ein Film, der nicht mehr auf der Leinwand spielte, sondern in meinem realen Leben. Und ich bereue nicht eine Minute davon.

??? Wo traf sich die kreative Szene Düsseldorfs sonst noch?

Trini Trimpop: Auf der Ratinger Straße trafen sich die Akademie-Leute. Beuys war damals noch ihr oberster Chef. Im Creamcheese haben wir schon Mitte der 70er Jahre Hasch geraucht und die Mädchen waren leichtbekleidet. Das war wie in Amsterdam. Außerdem gab es noch das Mora, diesen Nachtclub, in den immer die Schwulen gingen. Die sind mit dieser Zeit auch untrennbar verbunden. Damals waren Led Zeppelin und David Bowie angesagt - und die hingen nun mal immer in der Schwulenszene ab. Die haben sich damals künstlerisch alle sehr gut befruchtet. Düsseldorf war damals - vielleicht nach Berlin - die interessanteste Stadt in Deutschland. Das ist heute leider nicht mehr so.

??? Wie trat dann der Punk-Rock in Dein Leben?

Trini Trimpop: Vorher gab es bereits den sogenannten Pub-Rock, der mich ziemlich interessiert hat. Eine meiner Lieblingsbands waren die Kursaal Flyers. Doch dann ging in London plötzlich der Punk-Rock los - und ich habe mir direkt die Haare geschnitten. Obwohl ich eine Wohnung in Siegen hatte, war ich zu dieser Zeit überwiegend zu Hause. Da konnte ich zwar nicht so laut Musik hören, hatte aber genügend Zeit um die Musikmagazine Melody Maker und NME auswendig zu lernen. Ich habe auch deshalb sehr wenig Zeit mit meinem Studium verbracht. Irgendwann habe ich mir dann Kopfhörer besorgt, Platten geklaut und eigene Instrumente zu den Stücken erfunden. Zu der Zeit lernte ich gerade Saxophon und bin damit sogar im Sauerland aufgetreten. Doch als es dann mit dem Punk-Rock losging, passte das nicht mehr. Bei ZK habe ich aber noch einmal gespielt - in Hannover auf der Abschiedstour.

??? Deinen ersten Kontakt zu ZK hattest Du parallel zur Filmerei?

Trini Trimpop: Wir hatten den Film "Humanes Töten" gerade abgedreht, da fragte mich Jochen Hülder, der die Abschiedstour von ZK organisierte, ob ich diese Tournee mit einer Videokamera dokumentieren will. So habe ich dann Campino, Andi und Kuddel kennen gelernt. Campino sang damals in der kurzen Lederhose irgendwelche Freddy-Lieder. Das war nicht meine Welt. Man kannte sich zwar, aber musikalisch haben ich die nicht ernst genommen. Das hatte mit Punk-Rock nichts zu tun. Ich war schließlich beim KFC, wir waren eine harte Band, die auch im Ratinger Hof Hausverbot hatte. Mit der Kunstwelt hatten wir nicht ganz so viel zu tun. ZK traten dann aber irgendwo in der Gegend auf und in dem Raum, wo sie hinterher musizieren sollten, spielten sie vorher Fußball. Das fand ich geil, das versprach eine Menge Spaß auf Tour. In Berlin haben wir dann in einer Kneipe mit einem Lederball Fußball gespielt. Das Einzige, was nachher noch stand, war der Billardtisch. Jeder Stuhl, jeder Tisch, alle Gläser und alle Flaschen waren kaputt. Ein paar Monate später, Im November 1981, rief Campino dann bei mir an und fragte, ob wir nicht eine Band gründen wollen. Andi musste dabei sein, Kuddel, weil er was spielen kann, Walter, weil er ein guter Typ ist, und eben ich.

??? Wie war Campinos Begründung bei Dir?

Trini Trimpop: Er sagte zu mir: "Du warst schon mal auf der Bühne und wer einmal Blut geleckt hat, der kann doch nicht einfach aufhören!" In unserem "Fett Film"-Büro haben wir dann auch unsere ersten Proben als Tote Hosen veranstaltet. Ich persönlich habe zunächst noch weiter parallel Film und Musik gemacht, war dann bei der Endfertigung der Filme nicht mehr dabei, weil wir jedes Wochenende irgendwo gespielt haben. Das ging zu dem Zeitpunkt übrigens noch für Brötchen und Sprit...

??? Gibt es ein Konzert aus dieser frühen Zeit, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Trini Trimpop: Da gibt es viele, denn es herrschte immer Vollchaos und wir haben alles gegeben. Ich denke, dass wir immer eine gute Show abgeliefert haben, obwohl wir nicht spielen konnten. Irgendwann fielen mal drei Leute auf der Bühne mit dem Verstärker um, da sie sich in den Kabeln verheddert hatten. Walter, der ja nur unser Gogo-Boy war, schmiss in Berlin einmal die Gitarre unter die Decke, die Gitarre fiel auf den Boden und hatte so einen Drall, dass er sie wieder auffing und weiterspielte. Einmal ließ er sich die Hose von den Fans ausziehen und hatte drunter einen Schottenrock. Es war wirklich so, dass wir immer sehr viel Spaß hatten.

??? Wie war die damalige Aufgabenverteilung? Hast Du zum Beispiel auch Texte geschrieben?

Trini Trimpop: Bis zur Damenwahl-LP haben wir alle Texte zusammen geschrieben. Wir haben uns irgendwo auf eine Treppe gesetzt, vor dem Freibad oder vor dem Proberaum. Dann kam einer mit einer Idee und die haben wir dann ausgearbeitet. Als wir "Opel Gang" schrieben, saßen wir etwa Samstag Mittag vor dem Proberaum. Das Lied sollte zuerst von Ford handeln, es reimte sich aber irgendwie nichts vernünftig darauf. Da wurde es halt Opel.

??? Ab wann gab es den "Club der Toten Hosen", in dem die Fans Mitglied werden konnten?

Trini Trimpop: Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir die Briefe an unsere Fans selbst zurück geschrieben haben. Wir hatten damals ja schon Fans. Wir haben da einen Scheiß reingeschrieben, dass wir Tränen gelacht haben. Wir saßen dann alle zusammen am Tisch und haben uns irgendetwas einfallen lassen. Und zum Schluss haben wir dann immer die Adressen vertauscht - und die Leute dachten, wir hätten die Briefe aus Versehen verwechselt.

??? Die Legende sagt, dass Du die ersten Singles vorausschauend in großer Auflage hast pressen lassen?

Trini Trimpop: Das weiß ich jetzt gar nicht mehr. Die ersten Platten haben wir auf jeden Fall selbst rausgebracht. Jochen Hülder und ich waren die Plattenfirma - Totenkopf Schallplatten. Da waren auch schon die beiden ZK-Platten erschienen. Damals haben wir die Platten noch mit meinem Auto mit dem Sarg obendrauf zu den Großhändlern gefahren. Und irgendwann wurde die EMI dann auf "Eisgekühlter Bommerlunder" aufmerksam. So standen wir schließlich bei denen unter Vertrag, bis uns 1984 die Sache mit Heino passierte.

??? Wie seid Ihr beim Video zu "Bommerlunder" auf die Idee mit der Kirche gekommen?

Trini Trimpop: Die Idee ist in gemeinsamen Diskussionen entstanden. Ein Jugendfreund, Wolfgang Büld, der auch "Punk in London" und "Gib Gas - Ich will Spaß" gemacht hat, sollte das Video drehen. Wir wollten halt auch irgendwie die Kirche anpissen - und das ging voll nach hinten los. Deswegen sind wir nämlich nie irgendwo im Fernsehen gezeigt worden. Und der CDU-Mann, der uns die Erlaubnis gegeben hatte, hat so seine politische Karriere verspielt.

??? Wie habt Ihr den "wahren Heino" kennen gelernt?

Trini Trimpop: In Berlin hatte Heino einen Laden, der Anlaufstelle für Punks war. Er veranstaltete dort auch Konzerte und fing irgendwann an, eine KISS-Show zu machen. Irgendwann wurde daraus eine Heino-Show. Wir fanden ihn so lustig, dass wir ihn mit auf Tour nahmen. Er kam dann auch auf unser Plakat - und das fand die EMI nicht mehr so lustig. Da sind wir wieder gekündigt worden.

??? Das war der einzige Grund?

Trini Trimpop: Ralf Blendax, der Manager von Heino, hat sich in der Chefabteilung der EMI durchgesetzt. Wir verkauften damals halt nur 5.000 Platten und Heino fünf Millionen. Klar, dass es nicht so gut in der Chefetage ankam, sich über den lustig zu machen. Vor allem damals in der Zeit, in der man vor Punkern noch Angst hatte. Vor uns musste man aber eigentlich gar keine Angst haben. Wenn wir eine Disco in Schutt und Asche zerlegt hatten, waren wir am nächsten Morgen die Ersten, die aufgestanden sind und aufgeräumt haben. Selbst wenn wir in München im Parkcafé die Feuerlöscher explodieren ließen, haben wir aufgeräumt und waren immer wieder gern gesehene Gäste. So richtig böse auf ewig war uns eigentlich niemand.

??? Ihr seid dann nach London zum legendären Radio-DJ John Peel gefahren. Wie ist der auf Euch aufmerksam geworden?

Trini Trimpop: Wir hatten ihm die erste Platte geschickt. John Peel war einer von den Journalisten, denen wir immer persönliche Briefe geschrieben haben. Wir konnten dann bei der BBC diese Session machen - und haben "Ficken, Bumsen, Blasen" auf Deutsch gespielt Das fanden die Engländer im Nachhinein wohl nicht so gut - und danach war der Kontakt zu John Peel dann auch mehr oder weniger nicht mehr vorhanden.

??? Mit der nächsten Platte habt Ihr "Unter falscher Flagge" in der DDR und in Ungarn gespielt...

Trini Trimpop: Das war die LP, die wir angefangen hatten, als wir noch bei der EMI waren. Die kickten uns dann eben raus - und wir standen ohne Plattenfirma und mit einer dicken Rechnung für das Studio da. Da hatten wir ein paar Probleme, sind dann aber zum Glück bei Virgin untergekommen. Zu dieser Zeit lernten wir auch Marc, einen Engländer aus dem Heino-Umfeld, kennen, der die Kontakte nach drüben gemacht hat. So konnten wir während einer sogenannten "Beatmesse" getarnt in einer Kirche in der DDR auftreten. Ich hatte Schlagzeugsticks aus Aluminium und Campino ein Mikro, das gar nicht funktionierte. Wir mussten alle so leise spielen, dass man seine Stimme überhaupt hören konnte. Die Konzertbesucher haben dann nach dem Gebet in der Kirche alle Pogo getanzt. Das war ein ergreifender Augenblick, da hatten wir Tränen in den Augen.

??? Danach habt Ihr Wolfgang Büld wiedergetroffen - bei den Dreharbeiten zum "Formel Eins Film"...

Trini Trimpop: Das Drehbuch, welches wir erst bekommen haben, war richtig gut. Das hätte ein richtig guter Film werden können. Dann kamen aber die Produzenten und der Film musste "ab 6 Jahre" zugelassen werden. Und so ist daraus eine typische deutsche Scheiße geworden. Wir haben aber trotzdem unseren Spaß gehabt. In den Drehpausen haben wir Falco verarscht. Er sollte uns immer Witze erzählen und wusste nicht, ob wir ihn verarschen oder es ernst meinen. Er war ziemlich eingebildet, hat uns gegenüber aber Respekt gehabt. Er hat wohl Angst gehabt, dass wir ihm auf die Schnauze hauen. Denn wir hatten ja damals dieses Image. Mich hat es auch tierisch aufgeregt, dass im Spiegel stand: "Die Säuferband aus Düsseldorf". Klar haben wir was getrunken, wenn eine Party war, aber wir waren wahrlich keine Alkoholiker.

??? Was im Oktober 1985 folgte, war Dein Ausstieg aus der Band...

Trini Trimpop: Das hatte persönliche Gründe. Amors Pfeil steckte tief in meinem geilen Fleisch, deshalb habe ich Düsseldorf nach der Polen-Tour in Richtung München verlassen. Ich war verliebt, im Rausch. Doch solche Räusche verfliegen nunmal schneller als zum Beispiel die Drogenräusche von Christoph Daum...

??? Wusstest Du nach dem Ausstieg direkt, was Du machen solltest?

Trini Trimpop: Nein, für mich war immer nur wichtig, irgendwelche Scheiße zu bauen, die Medien und den Staat ein bisschen zu kitzeln - und nicht, in den ausgelaufenen Pfaden der Musikindustrie zu laufen. Wir konnten nicht besonders gut spielen und hatten keine schlauen Texte. Wir hatten aber so ein Lebensgefühl, das wir rübergebracht haben. Die Leute fanden das gut, weil wir einfach alles anders gemacht haben. Das war verantwortlich für den Erfolg, den wir hatten. Als ich ausgestiegen bin, waren wir schließlich Deutschlands Rockband Nummer eins. Da gab es weit und breit keine andere Band. Und wir waren auch auf einer intellektuellen Schiene anerkannt nach dem "Clockwork Orange"-Theaterstück. Das war auch sehr schwierig gewesen, das umzusetzen. Das wollte außer Campino, der direkt merkte, worum es geht, zunächst kein anderer aus der Band machen.

??? Du bist dann im Mai 1986 als "Trainer" zur Band zurückgekehrt...

Trini Trimpop: "Manager" war halt wieder so ein Begriff aus dem klassischen Musikbusiness. Ich habe erst in München bei der Bavaria gearbeitet und sollte ein Jugendmagazin moderieren. Dafür habe ich ein Vierteljahr recherchiert, aber letztendlich ist da nichts draus geworden. Ich bin dann nach Düsseldorf zurück gegangen und die anderen Bandmitglieder meinten, sie bräuchten jemanden, der sich um die Organisation kümmert.

??? Waren es klassische Manageraufgaben, die Du übernommen hast?

Trini Trimpop: Ja, ich bin aber auch immer mit auf Tour gegangen. Die klassischen Aufgaben habe ich mir mit Jochen Hülder geteilt, mich darüber hinaus und vor allem um den künstlerischen Bereich und die Imagebildung gekümmert. Dabei galt es, Themen für Stücke zu finden, Coverideen zu entwickeln oder auch auf die Bühnengestaltung einzuwirken. Auch wenn wir bei Virgin unter Vertrag standen, haben wir immer so gehandelt, als ob es unsere eigene Plattenfirma wäre. Und bei allen Entscheidungen wurde die Band basisdemokratisch mit eingebunden. Jochen und ich waren letztendlich die ausführenden Personen. Es ist ja zum Beispiel so, dass wenn man auf der Bühne steht, man nicht mitbekommt, wie die Show aussieht. Wir haben dann daran gearbeitet. Und ich finde, dass die Toten Hosen-Show noch immer eine der besten ist, die man im Rock-Bereich sehen kann. Das war aber auch viel Arbeit. Von Anfang an hatten wir auch ein riesiges Videoarchiv von Konzerten und Fernsehauftritten. Und irgendwer hatte dann die Idee, dieses "Drei Akkorde für ein Halleluja"-Video zu machen. Dabei habe ich dann 1991 Regie geführt.

??? Wie habt Ihr versucht, weiterhin die Medien zu kitzeln?

Trini Trimpop: Wir haben das Album "Kreuzzug ins Glück" bei der Fußball-WM in Italien promotet. Das heißt, wir haben die Journalisten nach Mailand eingeflogen und sind dann mit ihnen zum Spiel ins Stadion gefahren. Wer macht denn sonst so was? Das war wirklich eine hosentypische Inszenierung. Wir haben alles anders gemacht.

??? Wie lange hast Du insgesamt als Manager gearbeitet?

Trini Trimpop: Das war von 1986 bis 1992. Ich hatte dann halt irgendwann den Eindruck, dass es zu viel Monkey-Business wird. Es kamen immer mehr Promotionaktionen, die wir machen mussten, weil wir dachten, dies gehöre für eine erfolgreiche Band im Musikbusiness dazu. Wir gaben Interviews für jeden Radiosender. Einmal waren wir in Nürnberg bei einem Sender, der sonst nur Oldies und Top 20 spielte. Der Moderator kannte uns überhaupt nicht, hat nur blöde Fragen gestellt. Ich hätte viel lieber Fußball gespielt, als nach Nürnberg zu fahren! Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf den Monkey-Business. Der Rest der Band hat in dem Trott noch weitergemacht. Für mich war das aber kein erstrebenswertes Ziel.

??? Wie ging es weiter?

Trini Trimpop: Ein paar Monate später fragte mich Wolfgang von Sprint Film, ob ich Moderator der Sendung "Keynote" werden möchte. Das habe ich dann fünf Jahre lang mit sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte eben schon in frühester Jugend den "New Musical Express" auswendig gelernt, mir eine riesige Plattensammlung zusammen geklaut - und sogar Strichlisten gemacht, wie oft ich welche Platte gehört habe. Ich hätte damals schon als Musik-Journalist arbeiten können. Ich war in der Sendung immer daran interessiert, die Interviews etwas anders zu machen, als man es gewohnt war. Das kam bei den Künstlern und Zuschauern auch sehr gut an. Nur leider nicht bei den Leuten, die entschieden, dass wir nicht mehr länger auf Sendung bleiben durften.

??? Was waren die beeindruckendsten Künstler, die Du interviewt hast?

Trini Trimpop: Shane McGowan von den Pogues, der war fertig. Nach dem Interview war allerdings ich dann fertig, weil ich mir angestrengt überlegte, wie man sich so fertig machen kann. Der war besoffen und/oder auf irgendwelchen Pillen oder auf Heroin - ganz was Übles auf jeden Fall. Das Helge Schneider-Interview im Düsseldorfer Tor 3 war auf jeden Fall einer der Höhepunkte - total Dada.

??? Das nächste Mal, dass Du in der Öffentlichkeit aufgetaucht bist, war in Verbindung mit der Soca-Musik...

Trini Trimpop: Andi brachte eine Kassette mit Soca-Musik aus der Karibik mit. Irgendwann kiffte ich mir einen, hörte die Musik und das Ganze hat mich von den Rhythmen schon sehr fasziniert. Ich bin dann das erste Mal nach Trinidad geflogen, um die Rechte für einen Sampler einzukaufen, den Virgin rausgebracht hat. Es kamen zwei Platten mit Machel Montano hinzu und letztes Jahr noch ein zweiter Sampler - und vielleicht kommt nächstes Jahr noch einer. Es ist allerdings schwierig, die zu verkaufen. Doch vielleicht kommt die große Zeit von Soca ja noch. Zur Zeit hört man unter anderem in der House-Musik und im HipHop Einflüsse von Soca.

??? Welche Musikrichtung wird Dich in den nächsten Jahren begleiten?

Trini Trimpop: Der deutsche HipHop jedenfalls nicht, das Meiste kommt mir vor wie ein Kindergeburtstag mit Kakao und Kuchen. In Amerika kommt HipHop aus einer Gegend, wo man sich nicht traut hinzugehen. Das ist gefährlich! Der deutsche HipHop macht mich dagegen nicht an. Der amerikanische hat mich mal eine zeitlang fasziniert, aber das Frauenbild, das da propagiert wird, schmeißt uns doch um Jahre zurück. Da habe ich kein Verständnis für. Die kommen jetzt mit echten Goldketten daher, während wir Punk-Rocker eher drei falsche Rolex getragen haben.

??? Du sollst mittlerweile über einen größeren Fuhrpark verfügen?

Trini Trimpop: Autos sind ein zweites Standbein, das ich mir geschaffen habe. Ich habe den Manta aus dem "Manta, Manta"-Film, den Opel aus "Und tschüß..." und den Kommodore aus dem Azzuro-Video, dazu einen Mercedes und einen Mini - und verleihe diese Fahrzeuge an Filmproduktionsfirmen.

??? Was machst Du heute sonst noch?

Trini Trimpop: Ich mache zur Zeit ein percussionlastiges Projekt namens "Squadra". Wir hinterlegen die Stimme des Fußball-Radioreporters Günther Koch für den Bayrischen Rundfunk mit Musik. Für die GEMA verleihe ich außerdem Nachwuchspreise, sitze dann dort in der Jury und bin Moderator bei der Gala. Ich bin zuletzt wegen meiner Freundin nach Köln gezogen, aber von meinem neuen Domizil schneller wieder in Düsseldorf als in der Kölner Südstadt.

??? Wie weit sind die Toten Hosen noch ein Thema in deinem Leben?

Trini Trimpop: Ich treffe Campino zur Zeit öfter bei der Reha, da unterhalten wir uns auch über alte Zeiten. Andi und Breiti treffe ich manchmal, wenn ich zum Fußball fahre.

??? Wie beurteilst Du die Entwicklung der Hosen?

Trini Trimpop: Sie sind kommerziell unglaublich erfolgreich. Wenn sie dahin wollten, wo sie sind, haben sie alles richtig gemacht. Sie halten den Ball flach mit dem eigenen Plattenlabel in ihrer Hand, ihnen kann keiner vorschreiben, was sie zu machen haben. Das ist sehr gut gemacht. Vom musikalischen her, hätte ich den einen oder anderen moderneren Einfluss probiert. Etwas in der Richtung wie Prodigy oder Atari Teenage Riot hätte vielleicht ganz gut gepasst. Von Hip Hop Bommi Bop sprechen die Leute schließlich heute noch. Wir waren die erste Band, die einen HipHop-Rhythmus mit einem harten Gitarrensound verbunden hat - noch vor Run DMC und Aerosmith. Das wird oft leider nicht so gewürdigt. Fab Five Freddy hat das aber damals schon in den New Yorker Clubs gespielt.

??? Dein Lieblings-Hosen-Song?

Trini Trimpop: Das beste Album ist "Ein kleines bisschen Horrorshow", außer dem Stück "Duschvorhang". Es gibt viele Lieblingslieder, "Im Hafen ist Endstation", "Opel Gang" "Mit wehenden Fahnen". Heute höre ich mir aber nur noch selten Hosen-Platten an.

??? Was sind die wichtigsten Platten Deines Lebens?

Trini Trimpop: Es gab da zuerst ein Stück von Them Morrison featuring Van Morrison, an dessen Titel ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Dann kamen Cream mit "Sunshine of your Love" und progressive Musiker wie Jimmy Hendrix und Ten Years After. Später folgten die Sex Pistols mit "God save the Bollocks" [O-Ton Trini Trimpop] und Nine Inch Nails - und Rockbitch.

??? Eine bestimmte Platte von Rockbitch?

Trini Trimpop: Es kommt nicht so sehr auf die Musik an. Es geht darum, wie Rockbitch sich bewegen, in einer Tradition gegen 2000 Jahre Doktrinnation christlicher Werte. In der Tradition haben sich auch The Doors, Marquis de Sade und die Sex Pistols bewegt. Wenn du heute eine Rock-Band in diesem Sinne sein willst, musst du wie die sein. Viele Leute denken, dass die einfach nur Exhibitionisten sind, die sich mit dieser Auszieh-Show ein paar Mark verdienen wollen. Die können damit aber kein Geld verdienen. Mit jeder anderen Arbeit verdient man mehr Geld. Ich glaube sogar, dass einer von denen Geld geerbt hat. Die wollen lediglich die Welt verändern. Das wollte ich auch mal. Und weil sich Rockbitch in dieser Tradition bewegen, sind sie für mich zur Zeit die wichtigste Band.


Mehr über Trini:

Trinis Lieblingsfrauen-Band: www.rockbitch.tv
Trini Trimpops Dream-Cars: www.uniquemedia.de/dreamcars/index.html

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