Punkige und deutsche Energie (Aus: La Nacion, 27.10.03)
Die Toten Hosen und Attaque 77 rundeten einen sehr schönen Abend ab
Bei Redaktionsschluss hörten über 20 000 Menschen den für heute angekündigten Bands zu und warteten
auf die Vorstellung von Bersuit, die den Auftrag hatten, Quilmes Rock 2003 abzuschließen. Es war der
Tag mit dem größten Zulauf dieses Festivals, das sieben Tage lang über siebzig Bands in die
Aushilfshalle des River-Stadions und etwa 100 000 Zuschauer lockte. Auch wenn das endgültige Line Up
gar nicht bekannt war.
Der Freitag wurde geprägt duch die Punkmusik, die siegte über die Drohungen des Wetters mit seinen
unvorhergesehenen und unaufhörlichen Bekundungen. Riesige dunkle und regenreiche Wolken begleiteten
von Anfang an die Show von Bands wie Raíz, Cadena Perpetua, La Saga del Sayweke und Piel de Judas
und anderen auf den zwei kleinen Bühnen, sowie Massacre und Cabezones auf der Hauptbühne, während
sich die Zuschauer in improvisierte Meteorologen verwandelten oder plötzlich an magische Gebete zu
glauben schienen, die diese Wolken zwingen sollten, ihre Wut an einen anderen Ort zu tragen.
Während des Auftrittes von Kapanga beschloss der Himmel schließlich, seine ganze Wut auszuschütten.
Die Band narrte sprichwörtlich das Unwetter mit ihrer Musik wie einen Stier und es gelang ihr auf
wunderbare Weise den Sturm zu beschwören. So kam es, dass wenig später, als Pappo die Bühne betrat,
die Wolken sich öffneten, damit der restliche Abend unter einem Sternenhimmel verbracht werden konnte.
El Carpo präsentierte mit seiner Band einige Stücke seines neuen Albums, als Eröffnungsstück
"Buscando un amor". Er brachte aber auch alte Klassiker wie "Ruta 66", "Sucio y desprolijo" und
"Mi vieja" und servierte auch einige Kompositionen von Riff. Hierzu hatte er speziell Vitico, den
Bassisten dieser Band eingeladen.
Nach diesem Fenster mit Blues und klassischem Rock von Pappo und einem Übergang auf der Bühne im
"Corner" mit Instrumental-Ska der Dancing Mood, kam die Stunde der Attaque 77.
Die Band von Ciro Pertusi, Mariano Martínez, Leonardi Di Cecco und Luciano Scaglione zeigte auf
dieser Bühne einmal wieder, dass die bereits fünfzehnjährige Arbeit dieser Mannschaft Früchte trägt
und sie in eine gut geölte Maschine verwandelt hat, perfekt, fehlerfrei. In der Show gab es zwinkernde
Stücke für die ältesten Fans, eine Hommage an Bob Marley mit der spanischen Version des "Redemption Song",
neue Kompositionen und jene Lieder mit unauslöschbaren Refrains wie "Espadas y serpientes" oder
"Donde las águilas se atreven", mitgesungen von Tausenden Zuschauern mit emporgereckten Armen.
War die Show von Attaque bereits ein Fest für die Mehrheit der Anwesenden, so setzten die deutschen
Die Toten Hosen noch eins drauf und es gelang ihnen, diejenigen, die sie noch nicht kannten, zu
hypnotisieren und endgültig für sich einzunehmen, mit einem weiten Angebot aus Energie und Punkmelodien,
einer exakten Synchronisation und Arrangements die die Genre-eigenen Beschränkungen bereichern.
Ihre Refrains hatten auch einmal etwas vom Glam Rock und ihre Bühnen-Show machte so manchen
sprachlos. Die beiden Gitarristen Breiti und Kuddel sowie der Bassist Andi tauschen ihre Plätze
auf der Bühne mit einer energiegeladenen, spontanen improvisierten Choreografie, während Sänger
Campino seine Turnerbeine streckt und mit dem Mikrofon in der Hand herumläuft. "Wir wollen feststellen,
dass wir weder physisch noch psychisch müde sind", sagte Breiti und bezog sich ironisch auf die
Gründe für Metallica, die gestrige Show in River abzusagen. Um das zu sagen, besitzen sie ein
genügend großes Schutzblech, das sie im Laufe der vielen Besuche im Land seit jenem ersten Konzert
vor zehn Jahren im Halley gewannen.
Die Hosen spielten einige ihrer Klassiker wie "Bonnnie and Clyde", "Hier kommt Alex" oder
"Wünsch Dir Was". Es gab auch ein Debüt, einige Cover der Ramones, von The Clash, sogar "Song2"
von Blur und den traditionellen Abschluss mit "Schönen Gruß, Auf Wiedersehen". Zuvor jedoch tat
Campino, was ihm am meisten gefällt: auf den höchsten Punkt klettern. Diesmal war es das Dach
der Bühne, von wo aus er, ohne mit dem Singen auf zu hören, ein Bengalfeuer entzündete. Viel
Sinn für die Show und die nötige Leidenschaft, mit der sie dem Publikum präsentiert wird.
von Adriana Franco
Redaktion LA NACION
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