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Dokumente, Lobeshymnen und Verrisse:

Die Spur, die die Toten Hosen in Magazinen und Zeitschriften hinterlassen haben.

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Interview mit Andi (DocRock Show, Online Music Magazin)

Wir hatten ja eigentlich gehofft, Euch hier im Chat zu begrüssen.

Andi: Das ist leider durchkreuzt worden von den Plänen die wir machen mussten, tut mir leid, aber wir sind da gar nicht im Lande, war alles etwas kompliziert.

Man munkelt ein bißchen dass ihr mit euren ersten drei Chats nicht ganz so glücklich wart, ist da was dran?

Andi: Ne, das hat damit nichts zu tun, stimmt auch so nicht ganz. Bei unserem ersten Chat war's ein bißchen problematisch weil wir da total überrannt worden sind, und die Leitungen zusammengebrochen sind. Das haben wir dann aber korrigiert, und der nächste Chat ist eigentlich auch sehr gut gelaufen. Bei dem anderen Chat den ich noch gemacht habe, gab's auch ein paar technische Probleme, aber das ist ja keine Katastrophe, ist halt ein Medium, bei dem ab und zu eben noch nicht alles so reibungslos abläuft. Das hat mich aber nicht gross gestört.

Ist das für euch als eine gute Art der Kommunikation, oder findest Du das ziemlich limitiert?

Andi: Es ist halt eine andere, neue Art, mit Leuten Interviews zu machen, weil eben jeder die Fragen stellen kann die ihn interessieren, und nicht nur die Journalisten.
Man kann dabei schon auf sehr viele andere Fragen reagieren. Die Art und Weise wie es abläuft ist ein bißchen mühsam für uns, weil es eben durch den technischen Weg zeitverzögert abläuft, aber es ist schon ok. Ist einfach ein neues Medium und ein positiver Aspekt davon, der ganz interessant ist, wie einige andere auch, deshalb beschäftigen wir uns damit ja auch auf unserer Seite. Es gibt da ja auch noch andere Aspekte dran die wir gut finden, sonst würden wir ja das nicht machen.

Mal zu den letzten Platten, die sind ja auf eurem Bandlabel erschienen. Bei der "Opium fürs Volk" war dabei ja anscheindend auch ein ziemlich grosses Risiko, ein Hop- oder Top-Spiel sozusagen.

Andi: Hop oder Top...,ja, sagen wir mal, wir haben uns hingestellt und gesagt, das können wir auch selber machen, und haben dann, und das war der entscheidende Punkt, das Sagen über alles. Wir entscheiden z.B., dass wir für ein Video das Doppelte ausgeben weil wir die Idee gut finden, und dann machen wir das eben auch, weil wir halt unsere eigene Plattenfirma sind. Solche Entscheidungen kann man natürlich auch nur dann machen, wenn man seine eigene Plattenfirma ist. Natürlich birgt das auch Risiko, wenn du sagst, "ich krieg' das hin", dann musst du auch zeigen dass du es hinkriegst, und das wussten wir vorher natürlich nicht ob wir es auch wirklich schaffen. Zum Glück hat das bei der "Opium fürs Volk" sehr gut funktioniert.

Welchen Einfluß hat die Tatsache dass ihr in den Businessteil stärker involviert seid auf den Bandalltag? Ändert das was?

Andi: Natürlich bringt es das mit sich, dass man sich um ein paar Sachen kümmern muss, mit denen man vorher nichts zu tun hatte. Es wäre sicher entspannter für uns gewesen, bei einer Plattenfirma zu unterschreiben, die uns dann einen Vorschuss gezahlt hätte, aber wir wollten eben selber bestimmen, und da muss man dann halt ein paar Sachen in Kauf nehmen, die vielleicht nicht unbedingt zu unseren Lieblingsbeschäftigungen gehören.
Aber es ist nicht so dass wir uns nur um die Plattenfirma kümmern wollten, wir müssen halt einige Sachen mitentscheiden, haben aber für die meisten Angelegenheiten auch unsere Leute die wir schon seit Jahren kennen, und das läuft auch sehr, sehr gut.

Zur neuen Platte: Beim ersten Anhören fand ich besonders interessant, dass die typischen Hosenstücke in Kooperationen mit anderen Künstlern entstanden sind, und die Sachen, die eigentlich richtig neu und spannend waren, das waren eure Eigenproduktionen. Wie wäre das Album ausgefallen, wenn es komplett aus Eigenkompositionen bestanden hätte?

Andi: Also was du sicherlich ansprichst ist die Zusammenarbeit mit Funny Van Dannen, die wir als sehr glücklich empfunden haben. Er ist humormässig und wellenlängenmässig sehr auf unserer Linie, und das war für Campino einfach eine gute Art, sich mit jemandem da auszutauschen, wo eine gewisse Lockerheit gefragt ist. Solche Texte sind ihm nicht so leichtgefallen in dieser Phase, die anderen Stücke sind ihm einfacher von der Hand gegangen. Zwischen Funny und uns stimmte einfach die Chemie, die Zusammenarbeit war für uns etwas positives, kann ja nicht schaden wenn neue Einflüße von aussen reinkommen.
Wir fanden, das war sehr gut.
Natürlich tun wir uns auch musikalisch bei Liedern, die im klassischen Hosen-Stil sind, mittlerweile schwerer als bei Sachen die in andere Felder gehen. Weil wir das eben schon so oft gemacht haben muss man sich immer wieder selber toppen, sonst braucht man das gar nicht erst zu machen. Wenn man schon Sachen gemacht hat, die einen gewissen Stellenwert haben, ist es natürlich schwieriger, als wenn man sich in ein völlig neues Gebiet begibt, mit dem man vielleicht noch nie was zu tun gehabt hat, da kann man sich viel freier bewegen.

Wir haben die Trackliste von "Unsterblich" mal im CD-Player umprogrammiert, ist ganz interessant weil es eine völlig neue Platte ergibt. Habt ihr lange über der Zusammenstellung gebrütet? Man hat ein bisschen den Eindruck, dass nach 2,3 Songs immer wieder was kommt, bei dem die Leute sagen können, "das sind die Hosen, das kennen wir auf jeden Fall", also den Stil, den man eher von euch erwartet.

Andi: Unter dem Aspekt haben wir die Platte nicht zusammengestellt, aber wir überlegen natürlich schon wie man Songs aneinanderhängt. Die wirken natürlich anders wenn sie an einer bestimmten Stelle kommen, oder bestimmte Lieder kommen nach einem anderen nicht so gut. Das hat mit dem letzten und dem ersten Ton eines Stücks zu tun, also das überlegt man sich natürlich schon. Genau wie man ein Liveset macht, bei dem man überlegt, "wann spielen wir welches Lied". Wir haben die Songs auf der Platte auch ein paarmal umgestellt, es ist aber aber nicht so, dass wir überlegen, "jetzt müssen wir nach ein paar Liedern wieder klarmachen: wir sind die Hosen", die Befürchtung, dass die Leute uns nicht erkennen hatten wir nicht. Für uns hat jedes Lied das auf der Platte ist, seine absolute Berechtigung, sonst wär's nicht drauf.
Die Panik, dass Leute denken, wir sind komplett anders geworden, haben wir nicht. Auch bei Sachen mit neueren Einflüssen, wie z.B. "Warum werde ich nicht satt?" oder "Unser Haus", wo wir komplett mit Streichern gearbeitet haben, da hört man immer noch, dass das die Hosen sind, weil wir das gar nicht verbergen können und wollen, das liegt einfach an unseren musikalischen Fähigkeiten und der Art, wie wir spielen.
Das Spektrum ist einfach grösser geworden, und das finden wir ganz gut.

Ich finde, dass eure letzte Platte "Opium fürs Volk" schon sehr "anders" war, das ist nur in der Presse nicht so rausgekommen. Deshalb wundert es mich, dass bei der "Unsterblich" der Pressetenor ist, "das ist wirklich ganz neu", oder "sehr, sehr unerwartet".

Andi: Ja, das stimmt, das sehe ich ähnlich, aber ich glaube, bei "Unsterblich" sind wir noch konsequenter vorgegangen, z.B. bei "Unser Haus", ein Stück komplett mit Streichern hätten wir in der Form vor ein paar Jahren nicht gemacht, da hätten wir gesagt, "lass' uns noch ein paar Gitarren draufsetzen", da hätten wir uns noch nicht ganz getraut. Und diesmal haben wir konsequent alles so belassen, aber Du hast recht, es gibt auch auf den letzten beiden Platten schon Sachen, bei denen wir uns musikalisch in andere Richtungen bewegt haben.
Unsere Möglichkeit sind mit der Zeit auch gewachsen, manche Lieder hätten wir in der Form z.B. auf der "Opelgang" gar nicht spielen können, weil wir das gar nicht hinbekommen hätten.

Gibt es eine ähnliche Entwicklung zu Bands, die ihr auch auf eurer Webseite linkt, z.B. zu den Manic Street Preachers? Einige Parallelen gibt's ja schon in der Geschichte, z.B. dass da ein tragischer Einschnitt war.

Andi: Das war aber in einer ganz anderen Form als bei uns, da hat es ein Bandmitglied getroffen, das ist sicherlich noch was ganz anderes als bei uns. Wir mögen die Manics musikalisch einfach supergerne, und ich finde, sie sind immer besser geworden, die letzte Platte ist grossartig, obwohl sie sehr, sehr ruhig ist, habe ich sie sehr gemocht, weil die Lieder einfach gut waren.
Die Manics haben, das sehe ich ähnlich, auch ihre musikalische Entwicklung mitgemacht, die man ihnen aber auch abnimmt, was, glaube ich, ganz entscheidend ist. Wir stellen uns ja auch nicht hin um zu sagen, "wir wollen jetzt mal was Neues spielen", einfach um was Neues zu machen. Es muss uns gefallen, sonst kommt es nicht auf die Platte, man muss dahinter stehen. Das merkt man bei einer Platte sehr schnell, ob da ein roter Faden hinter ist, und ob man nachvollziehen kann, was die Band da gerade macht, und das ist bei den Manics der Fall.
Ein anderes gutes Beispiel für so eine Entwicklung, was ich immer sehr bewundert habe, ist The Clash, die auch in ganz andere musikalische Gebiete vorgedrungen sind, und hervorragend gespielt haben.

War denn die "Sandinista" vielleicht ein Vorbild für eure Platte?

Andi: 'Ne, überhaupt nicht, wir arbeiten so nicht, wir gehen halt in den Proberaum und probieren Einflüße aus, die wir aufgenommen haben. Was dann aber letztendlich auf die Platte kommt, wird dann von Stück zu Stück entschieden. Das Bild der Platte kommt eigentlich erst sehr spät heraus. Wenn man die 20 Nummern gefunden hat, die es auf die Platte schaffen, dann sieht man erst, in welche Richtung es geht. Wir gehen nicht vorher hin und überlegen, "wir wollen jetzt mal 'ne Platte haben die neue Einflüße hat". Wir schreiben einfach Stücke und probieren rum. Für das neue Album haben wir sehr viele Nummer gehabt, und dann wird selektiert. Dabei bleibt das übrig, was unserer Meinung nach das Beste ist. Die neuen Einflüsse werden auch dann erst klar.

Wie gross ist der denn Einfluss von Jon Caffery (Produzent), das ist ja eine der längsten Zusammenarbeiten in der Punkrockgeschichte zwischen euch. Er ist immer dabei aber nie sichtbar.

Andi: Er hat uns einfach den ganzen, langen Weg begleitet, und wir kennen uns eben in- und auswendig. Was ganz gut ist bei Jon ist, dass er zwischendurch auch noch andere Projekte macht, und für sich neue Sachen erarbeitet die dann eben auch wieder bei uns einfliessen. Das kann nur gut sein, und die Zusammenarbeit diesmal war wirklich entspannt, er hat einen ziemlich guten Job hingelegt, finde ich. Jon hat die richtigen Knöpfe gedreht.
Wir kennen uns genau und wissen, wie weit man gehen kann. Über die Jahre ist da einfach ein Vetrauensverhältniss entstanden, und dann ist das Arbeiten sehr angenehm.

Mal zum Cover des neuen Albums. Neben der herzzerreissenden Wald- und Bergansicht gibt es da dieses "Auf Wiedersehen-Schild", hat das Parallelen zum "Abbey Road"-Cover der Beatles?

Andi: Du meinst, wo Paul McCartney barfuss über die Strasse geht?

Genau.

Andi: 'Ne, wir fanden das Bild einfach lustig. Ein Ehepaar fährt in Urlaub, an diesem Punkt halten sie, denken, das ist ein unsterblicher Ausblick, das müssen wir jetzt festhalten, vergessen dabei aber leider links unten dieses verschissene "Auf Wiedersehen"-Schild, das in jedem B-Klasse-Kurort steht, und rechts den Jägerzaun.
Das fanden wir einfach lustig. Und "Auf Wiedersehen" heisst ja auch nicht, "wir sind weg" sondern, "wir sehen uns wieder". Insofern keine Panik.

Uli Hoeneß hat ja jetzt neben Christoph Daum einen Lieblingsfeind, nämlich euch. Hat Dich diese heftige Reaktion überrascht?

Andi: Ja, absolut, in der Form hat es mich wirklich überrascht, wenn er sagt, dass wir daran Schuld sind, dass die Gesellschaft so krank ist, dann wundert mich diese Reaktion schon.
Ein Club wie Bayern München der nun wirklich alles hat, alles Geld der Welt, Erfolge, Top-spieler, immer alles gewonnen, wenn man da noch nicht mal einen kleinen Witz wegstecken kann, dann zeugt das nicht gerade von Souveräniät von Hoeneß'-Seite. Ich hätte mir an seiner Stelle 5 lockere Sprüche zu Düsseldorf einfallen lassen. Ist ja gerade so, als ob man den Islam angemacht hätte wenn man was gegen Bayern München sagt. Also die Reaktion von den Spielern und Uli Hoeneß im Speziellen hat uns echt gewundert, da hätten wir ein bisschen mehr Lockerheit erwartet. Hat uns auch gewundert, dass es so schnell gekommen ist, und auch die Form fanden wir erstaunlich . Ist aber eher sein Problem.

Wie wird es live bei euch aussehen nächstes Jahr? Holt ihr euch Gastmusiker dazu, oder spielt ihr die Stücke anders?

Andi: Wie wir es genau machen wissen wir noch nicht 100%ig, wir hatten jetzt letzten Montag ein Konzert fürs Radio, da haben wir schon ein paar Stücke ausprobiert, und das hat eigentlich sehr gut geklappt. Das ist ja auch eigentlich das Spannende, du machst die Stücke im Proberaum, aber live ist dann der Moment, wo du die direkte Reaktion von den Leuten kriegst, und ich glaube auf der Platte sind eine Menge Stücke, die live sehr gut funktionieren werden. Wir werden das sicherlich mit älteren Sachen von uns mischen, es gibt ein paar Sachen die wir live nicht auslassen werden.
Die Auswahl wird korrekt sein. Welche Lieder wir jetzt genau spielen, müssen wir noch mal gucken.

Habt ihr mit dem älteren Material Problem, spielt ihr das mehr fürs Publikum?

Andi: 'Ne, überhaupt nicht. Das heisst nicht, dass jedes Lied unser absolutes Lieblingslied ist, jeder hat natürlich Lieder die er sehr mag oder auch nicht, aber wir spielen eigentlich kein Lied, was wir nicht spielen möchten. Ich habe kein Problem damit, alte Nummern zu spielen, das sind wir genauso, deswegen haben die auch alle ihre Berechtigung.
Die alten Stücke sind natürlich in einem anderen zeitlichen Kontext zu verstehen. z.b. "Wir sind bereit", das ist eines unsere ersten stücke gewesen, haben wir lange nicht gespielt, irgendwann haben wir dann aber wieder damit angefangen, sowas macht eigentlich immer Spass. Ich konnte noch nie was mit Bands anfangen die sagen, "ok, das ist die neue Platte, die alten stücke spielen wir überhaupt nicht mehr". Das ist nunmal unsere Vergangenheit, und da stehen wir auch zu, und von daher haben wir auch keine Probleme alte Sachen zu spielen.

Denkt ihr momentan in Jahren voraus, oder sagt ihr euch, nächstes Jahr ist erstmal die Tour und dann mal sehen.

Andi: Wir denken im Moment genau ein Jahr voraus, bis Ende nächsten Jahres, und dann gucken wir mal was passiert. Die Tournee dauert sehr lang, und da freuen wir uns drauf, weil wir seit der "Opium fürs Volk" so eine Tour nicht mehr gespielt haben, und da haben wir jetzt Lust drauf. Wenn man so lange im Studio war hat man einfach Lust, live wieder Gas zu geben.

Wie sieht das Finale der Fussball-WM aus, und wie geht's aus?

Andi: Das ist eine gute Frage,..hmm...den Klassiker Deutschland:England fände ich schon ok, obwohl ich kein Deutschland-Fan bin, aber das war immer ein klassisches Spiel, und beide können über den Ersten und Zweiten in ihrer Gruppe auch weiterkommen, es könnte ein gutes Spiel werden. Aber man muss erstmal abwarten welche Mannschaft den besten Fussball spielt. Ich unterstütze meistens die Mannschaft die für mich den besten Fussball spielt, das muss überhaupt nicht Deutschland sein, ganz im Gegenteil, es waren meistens andere Mannschaften die den attraktiveren Fussball gespielt haben, z.B. bei der WM letztes Jahr, Spiele wie Brasillien:Holland, die haben wirklich Spass gemacht, dafür lohnt es sich zu einer WM zu fahren. Aber auch zu einem Spiel von Jamaica zu gehen, wegen der Fans ist schon lustig.

Vielen Dank für dieses Interview.

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