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Dokumente, Lobeshymnen und Verrisse:

Die Spur, die die Toten Hosen in Magazinen und Zeitschriften hinterlassen haben.

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Traumjob Roadie

Artikel aus der YAM
29.01.2003 - Text: Klaus Müller - Fotos: Klaus Börner

"Das Fitness-Studio kann ich mir sparen. Durch die Schlepperei hab ich Muckis satt", sagt Kathy grinsend.
Noch besser: Sie hält mit ihrem Job nicht nur ihren Body fit, sondern macht das, wovon viele Teenies träumen. Die 25-Jährige reist mit Superstars wie Robbie Williams, den Ärzten und Rammstein rund um die Welt - und bekommt dafür auch noch Kohle! Sie ist nämlich Roadie. Eigentlich ein typischer Männerjob, nicht aber für Kathy. "Ich bin kein Bär, aber eine 50-Kilo-Kiste? Ist doch 'n Kinderspiel", sagt sie forsch. Dann gibt sie aber zu: "Bei der Arbeit herrscht ein rauer Umgangston. Man darf kein Kind von Traurigkeit sein. Die Kollegen vergessen manchmal, dass auch ein Mädchen dabei ist. Aber ich bin in diesem Punkt längst schmerzfrei." Zuletzt war Kathy mit den Toten Hosen auf Tour. Seit 1998 ist sie Backliner (Gitarren-Roadie) von Gitarrist Breiti (38), den sie stets nur "Chef" nennt. Als Sänger Campino (40) sie zum ersten Mal sah, fragte er noch verdutzt: "Was machst du denn hier?" Aber seitdem ist Kathy aus der Hosen-Crew nicht mehr wegzudenken...

Am Konzerttag schleppt sie morgens die Band-Utensilien (Instrumente, Verstärker, Boxen...) auf die Bühne, stimmt, poliert und repariert mit Lötkolben und Sekundenkleber die Gitarren und wechselt die Saiten - unter Hochdruck auch während der Show. Nerven wie Drahtseile sind Voraussetzung. Kathy: "Die Gitarren müssen funktionieren. Und wenn sie hinterher im Eimer sind - egal!" Alles andere ist zweitrangig. Über Breiti kann sich Kathy nur wundern. "Er spielt die Saiten richtig runter. Bevor ich ihn kennen lernte, hätte ich nicht gedacht, dass so was möglich ist."

Bei jedem Gig wechselt Breiti zwei- bis dreimal "seine Geige", wie Kathy die Gitarren liebevoll nennt. "Ich muss immer darauf vorbereitet sein." Nicht einfach, denn "an Breitis Mimik und Gestik ist nur schwer zu erkennen, wann er wechseln will", erklärt Kathy. "Das ist wie Roulette. Aber ich hab ein Gefühl dafür entwickelt." Breiti, der einst wie die anderen Hosen auch als Roadie anfing, weiß, was er an Kathy hat: "Sie macht einen super Job. Ein Backliner, der keinen Plan hat, kann das ganze Konzert ruinieren!"

Aber nicht Kathy. Sie wacht über die Elektronik, behebt Wackelkontakte und weiß genau, wo welches Kabel hingehört. "Musik ist mein Leben. Mich hat aber auch immer die Technik fasziniert, die dahinter steckt", erklärt sie. "Ich hab schon als Kid lieber Gitarren gebaut, als damit gespielt." Sie absolvierte ein Praktikum bei einem Gitarrenbauer und studierte Elektrotechnik. Außerdem wichtig ist ein Schuss Psychologie. Kathy: "Ich muss Breiti Sicherheit geben. Wenn was nicht stimmt, darf ich ihm das nur sagen, wenn nichts mehr zu retten ist." So wie bei einem Hosen-Gig in Bielefeld vor vier Jahren, der wegen eines Kurzschlusses unterbrochen werden musste. Kathy: "Was viele nicht wissen: Ein fliegender Becher Bier kann ein Konzert beenden." Doch Gefahr droht nicht nur von den Fans, sondern sogar von der eigenen Band - Campino lässt grüßen! Kathy: "Er kommt immer wieder mal angeflogen. Ich blocke ihn dann wie ein Eishockeyspieler ab, um die Geräte zu schützen." Noch schlimmer ist es, wenn ein Fehler in einer Katastrophe endet. Beispiel: Das Festival im dänischen Roskilde, bei dem es im Sommer 2000 acht Tote gab. Der Grund: eine defekte Delay-Line. Die Fans drängten beim Auftritt von Pearl Jam nach vorn, weil sie hinten nichts hörten...

Wie viele Roadies begann auch Kathy ganz klein: Neben ihrem Studium jobbte sie zuerst als Stühlerücker, dann als Mädchen für alles in einer Local Crew. So knüpfte sie Kontakte - "die sind für einen Roadie das A und O! Wenn man den Job machen will, sollte man ein Instrument spielen, ein Faible für Technik haben und bei kleinen Bands anfragen, ob sie einen Roadie brauchen. Zeugnisse will keiner sehen. Man kriegt seine Chance, und die muss man nutzen." Dann kann man wie Kathy schnell bei einer großen Band landen, zwischen 150 bis 250 Euro am Tag verdienen und viel erleben. Kathy erinnert sich: "1998 haben Breiti und die Jungs in einem Hotel ein komplettes Zimmer in den Aufzug verfrachtet. Da wusste ich: Die schrägen Storys, die über die Hosen erzählt werden, müssen stimmen."

Zwar ist die Mucke der Musiker, für die sie arbeitet, nicht immer ihr Ding, "aber darauf kommt's gar nicht an", sagt Kathy, die auch auf der letzten Kelly-Tour dabei war. "Wichtiger ist, dass Künstler und Crew okay sind. Wäre Breiti ein Mistkerl, hätte ich keinen Spaß." So schon, auch wenn es mal Stress gibt.

"Bei Problemen sind die Backliner grundsätzlich erst mal die Sündenböcke", erklärt sie. "Deshalb verzichte ich auf Hilfe. Wenn Scheiße passiert, will ich sie selber bauen." Mit Breiti gibt's selten Trouble. Kathy lacht: "Zum Glück kann er nicht streiten, ist immer relaxed. Nur Campino ist schon mal launisch." Traumjob Roadie? Für Kathy auf jeden Fall. Aber es gibt auch Schattenseiten. "Ich hab von der lauten Musik einen Hörschaden - und weil ich nur zwei Monate im Jahr zu Hause bin, fast kein Privatleben." Kein Wunder, dass ihre Beziehungen meist nach drei Monaten in die Brüche gehen. Immerhin: Mit ihrem jetzigen Freund ist Kathy ein Jahr zusammen: "Das ist absoluter Rekord..."

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